Du musst nicht immer ein Held sein

Es ist mittlerweile fast 10 Jahre her, das ich das Unglaubliche geschafft hatte. Über 80 Kilo abgenommen, ein gesundes Leben angefangen. Und dabei irre Spass gehabt. Ich mutierte zum Läufer. Und hatte nie meinem Humor verloren. Ab liebsten nahm ich mich auf dem Arm, und mit den weniger Kilos ging das umso besser. Eine tolle Zeit.

Ich weiss, das ich in der Zeit für den ein oder anderen zu eine Art Held geworden bin. Ein Vorbild. Eine Leitfigur, die auch schonmal zynisch sagte, wenn mich einer fragte „Wie kann ich schnell 20 – 30 Kilo abnehmen?“, das ein amputiertes Bein schon mal an die 20 Kilo bringen kann. Die Kilos die man wieder loswerden will, sind nunmal auch nicht von gestern auf heute gekommen und von heute auf morgen diese wieder loswerden erfordert dann eben krasse Massnahmen.

Rund 10 Jahre weiter, der Held ist gefallen. Die Gesundheit spielte böse Streiche, dazwischen verlor ich mich auch noch selbst. Die gesunde Ernährung ohne Sport, reichte nicht um das Gewicht zu halten, also konnt man es doch auch gleich sein lassen. Es war wie eine Niederlage. Ach, quatsch. Es war eine Niederlage.

Freunde kamen und gingen. Wenn ich es genau überlege, sind aus meiner erfolgreichsten Zeit gerade mal ein oder zwei Personen mit denen der Kontakt nicht abbrach. Und beim Rest: Na, ich verlor nicht nur mein schönes Gewicht, ich bekam auch eine pflegebedürftige Mutter dazu. Jemanden zu pflegen, das ist wie Lippenherpes. So Leute braucht man nicht in seiner Nähe. Könnte ja sonst sein, das man mal Hilfe braucht.

Wenn ich es Revue passieren lasse, gingen mehr Freunde als kamen. Und die Enttäuschung dazu: Von vielen Weggefährten aber auch Verwandten kam nicht mal ein „Wie gehts?“ oder eine der anderen üblichen Höflichkeitsfloskelfragen. Abgehangen, stehen gelassen, vergessen.

Geschichte wurde Legende,
Legende wurde Mythos,
und irgendwann wusste kaum noch wer von dem was einst mal war.

Dunkelheit legte sich über die Vergangenheit.
Gerüchte über die Rückkehr des Helden kamen immer wieder mal auf.
Bis der Held spürte, daß seine Zeit gekommen war.

Lassen wir den Herr der Ringe-Phatos einfach mal. Dieser wird der Sache auch nicht gerecht. Nein, ich spürte nicht das meine Zeit gekommen war. Eher bemerkte ich ab und zu diesen modrigen Geruch, den ein gewisser Gevatter ausströmte und ich bildete mir ein hier und da mahnend seine Sense zu sehen.

Auch ohne Arzt, macht mir meine Gesundheit klar, das ich im letzten Level angekommen bin, vor dem großen Raidboss stehe und stelle erschreckend fest, das die Bonusleben aufgebraucht sind. Ich habe also nur noch eine Chance… noch einmal die Nummer mit der Reisleine, noch einmal den Zauber beleben, noch einmal die Reise antreten… noch einmal aufstehen.

Wie ein Held fühle ich mich dabei nicht, muss ich auch nicht. Es geht um mich. Mein Leben. Mein Gewicht. Meine Gesundheit. Mein Wohlbefinden. Und der Zeiger zeigt eigentlich 3 nach 12. Also vielleicht die letzte Chance um aufzustehen und mit einem blauen Auge davon zu kommen.

Irgendjemand fragte mich, warum ich wieder aufstehen wolle. Warum nicht einfach liegen bleiben, statt es wieder und wieder und wieder zu probieren. Liegenbleiben heißt Stillstand. Stillstand ist der Tod. Und irgendso ein weiser Mensch hatte mal gesagt, kein Kind sollte vor seinen Eltern gehen. Und das Risiko ist hoch, das genau das passieren könnte.

Ich bin wieder aufgestanden. Derzeit restauriere ich die Küche. Es gibt wieder gesundes Essen. Mit wenig Kohlenhydrate um den Kilos einhalt zu gewären. Sobald es mein Asthma zulässt werde ich wieder sporteln. Ich sammele derzeit Ideen, was ich im geringen Maße schon jetzt machen kann, ohne das die Atmung permentent dicht macht. Spaziergänge machen mein Rücken zur Qual, alles was etwas heftiger ist, endet im Hustenanfall. Also alternativen Sammeln.

Was ich schaffen muss…? Eigentlich nur das was ich schonmal geschafft habe. Mich nicht aufzugeben und eine Runde im Bonuslevel erspielen. Und wenn ich auf dem Weg nochmal hinfalle? Nicht liegen bleiben! Ich weiss das es schwer wird, aber ich habe keine andere Wahl.

Foto: Norbert Beck

Dir hat gefallen was Du gelesen hast? Dann teile doch meinen Beitrag in den sozialen Medien auf Facebook oder Twitter. Natürlich würde ich mich auch über einen Kommentar zu meinem Beitrag freuen. Solltest Du Ideen und Anregungen haben oder einen Vorschlag, welches Thema ich vielleicht auch mal aufgreifen sollte, dann zögere nicht Kontakt zu mir aufzunehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.