Etwas Neid muss sein

Etwas Neid muss sein. Das klingt, etwas so wie der neuste Gassenhauer von Roberto Blanco. Hat aber mit Musik genau so wenig zu tun, wie für Bayowaren eine Weißwurst auf eine Pizza als Belag gehört.

Ich gebe zu, auch ich bin neidisch.

Neulich hatte ich mir mit meiner Mutter den aktuellsten TKKG-Film angesehen, wo am Angang der Protagonist – der den Tim spielt – in bestem Parkour-Stil über Dächer und sonstige Hindernisse geflüchtet ist. Dazu gehört einiges an Körperkontrolle und ein gesundes Selbstvertrauen.

Ja, ich würde auch gerne so Kunststücke können. Wenn ich da aber an meine besten Läuferzeiten denke, wo fußbreite Pfade an einem Abhang fast unüberwindbare Hindernisse darstellten. Und heute, wo ich mit recht wackeligen Knie Treppen begehe, müsste ich die Fähnchen noch etwas niedriger stecken.

Gut, seien wir ehrlich. Richtig sportlich war ich nie. Wo ich geglänzt hab, war erst beim Völkerball, das aber auch nur weil einige Mitschüler das Abwerfen mit den anderen Kaputtwerfen verwechselt hatten und so fest es ging drauf wurfen, später dann beim Fußball, wo ich als „Außenstehender“ durchaus den ein oder anderen Vereinsspieler zeigte, das Berti „der Terrier“ Vogts gegen mich nur ein Zwergpinscher in der Abwehr war. Und dann eben beim Laufen… etwas was ich heute sehr vermisse und hoffe das es irgendwann wieder geht.

Neid an sich ist nichts Schlechtes. Auch wenn der ein oder andere dem anderen vorwirft ein Neidhammel zu sein. Neid kann auch eine konstruktive Komponente haben. Zum Beispiel, dann wenn es einem selbst dazu anspornt, an seiner eigenen Situation etwas zu verändern.

Schlecht wird Neid nur wenn er auf einen weiteren Verbündeten trifft: der Missgunst.

Missgunst ist dabei die destruktivste Komponente, die es nur geben kann. Ein Beispiel gefällig?

„Tom, läuft viel schneller als ich. Ich glaube ich muss mehr trainieren, damit ich genauso schnell laufen kann wie Tom.“

Hier hat man die Tatsache, dass jemand etwas besser kann als man selbst und dass man mit eigener Initiative – dem Training – seine eigene Leistung verbessern könnte, um mit dem anderen gleich zu ziehen.

Missgunst, wäre es zum Beispiel, wenn man denke würde:

„Tom, läuft viel schneller als ich. Kann nicht eine Wurzel aus dem Boden ragen, damit er sich kräftig auf die Fresse legt?“

Die Komponente, wo man an den eigenen Umständen etwas ändert, spielt hier gar keine Rolle. Hier geht es nur darum, dem anderen einen Schaden zu wünschen um selbst besser dazustehen.

Natürlich ist ersteres viel schöner für alle Beteiligten. Zumal man, wenn man sein Ziel erreicht hat, dann gemeinsam in die Kneipe gehen kann, um ein isotonisches Alkoholfreies zu genießen und den Erfolg gemeinsam zu feiern.

Auch beim Wettkampf kann Neid eine für die eigene Leistung durchaus steigernde Komponente sein.

„Der Läufer, der da 10 m vor mir läuft, den kann ich, wenn ich schneller Laufe noch vor dem Ziel einholen.“, was wenn man es macht durchaus ein Erfolg ist. Was, wenn man stattdessen denken würde: „Wenn ich dem ein Stock zwischen die Beine werfe, bin ich vor ihm im Ziel!“, ein Foul wäre und wohl eher zur eigenen Disqualifikation führen dürfte.

Man sollte also Neid nicht verteufeln. Sobald aber hier destruktive Gedanken, wie Missgunst dazu kommen, sollte man vielleicht doch überdenken, ob eine Änderung des eigenen Verhalten zu mehr Erfolg führen kann.

Das Beitragsfoto zeigt übrigens den Neidkopf an der Burg Hanstein bei Bornhagen. Diesen haben die Hansteiner an ihre Burgflanke einbauen lassen, nach dem im Werratal zum Schutze der dortigen Bevölkerung die Burg Ludwigstein, auf einer gegenüberliegenden Bergkuppe erbaut wurde. Dieser Neidkopf sollte die Missgunst gegenüber der benachbarten Burg ausdrücken, deren Schutzmacht die umliegenden Dörfer nun gegen die Raubritter verteidigen sollte. Dies ist dann schon Missgunst in gesteigerter Form.

Foto: Norbert Beck

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