Teuere Bestattungen

Sterben kostet. Wohl dem der, der zu Lebzeiten eine Sterbeversicherung angelegt hat. Leider war dies bei meiner Mutter nicht der Fall. Zum Zeitpunkt, wo sie dies wollte, war sie schon zu krank. Also kommen die Kosten nun auf mich zu.

Mein Vater wollte vor 18 Jahren anonym auf dem Urnenfeld auf dem Friedhof bestattet werden. Seine Aussage war: „Es bringt doch nichts, wenn meine Lieben nach meinem Tod drei Mal am Tag auf den Friedhof rennen. Zu Lebzeiten soll man sich geliebt haben und so im Herzen behalten.“

Ganz so poetisch allein, waren seine Gründe dann doch eher nicht. Er war Schwotte.

Kennt ihr nicht? Also ein Schwotte ist eine Kreuzung aus einem Schwaben und einen Schotten, also noch geiziger als diese einzeln schon sind.

Eine anonyme Feuerbestattung ist so mit eine der günstigsten Bestattungsformen, die der Zeit angeboten wird, wenn man mal von einer Seebestattung absieht.

Meine Mutter hatte seinerzeit festschreiben lassen, dass sie ebenso anonym bestattet wird. Wobei bei ihr waren es nicht die Kosten, sondern eher der Gedanke, dass sie auf dasselbe Grabfeld wie unser Vater kommen würde, was sie zu diesem Wunsch getrieben hatte.

Nun haben wir zwei fast gleiche Beerdigungen im Abstand von fast zwanzig Jahren. Lediglich die Verabschiedung am Sarg bei meiner Mutter fiel aus derzeitigen Gesundheitsgründen weg, auch wenn sie kein Corona hatte.

Die Bestattung meines Vaters hatte 2420 Euro gekostet, die meiner Mutter 3180 Euro. Oder mal rund 31 % mehr.

Gut es liegen rund 20 Jahre dazwischen, da können die Kosten schon steigen. Aber eben mal so knapp ein Drittel mehr, das ist schon ein Wort. Was treibt also die Kosten nach oben?

Beim Bestatter kamen nur rund 150 Euro hinzu, was einer Steigerung von knapp 9 % entspricht. Also sind es nicht die Bestatter, die die Kosten nach oben getrieben haben. Beim Krematorium liegen wir bei einem Plus von 300 € oder fast 80 % mehr und die Friedhofskosten mit etwa 400 € mehr, also einem Plus von mehr als 83 %.

Die Mehrkosten beim Krematorium sind schnell erklärt. Zum einen ist bei der Verbrennung eine zweite Leichenbeschau möglich, denn es könnte ja sein das jemand mit der Verbrennung eine Straftat vertuschen will. Die Kosten dafür haben sich mal eben fast verdoppelt, machen aber nur einen Bruchteil aus. Hier spielt mehr die Tatsache rein, dass Anfang der Zweitausender Jahre Leichen zum Verbrennen bei uns noch ins Thüringische Eisenach gefahren wurden. Dieses Krematorium wurde zwischenzeitlich verkauft… Betreiberwechsel und so weiter und so fort. Nun werden Verbrennungen halt in Göttingen gemacht, was schon damals deutlich teurer war.

Richtig angezogen haben die Kosten beim Friedhof. Da ist kein neuer Betreiber. Stadt bleibt statt. Gemeinde bleibt Gemeinde. Und die langen eben mal so richtig hin. Klar sind hier auch Kosten gestiegen. Der der das Loch buddelt und die Urne dort vergräbt und dann das Loch wieder zumacht, will auch mehr Geld. Aber auch das macht nur einen Bruchteil dieser Kosten aus. So wie man mal die Grundsteuer erhöht, eignen sich diese Gebühren gut, um das klamme Stadtsäckerl aufzufüllen.

Natürlich kann es hier regional Unterschiede. Daher kann es sinnvoll sein, sollte ein Tod anstehen, auch wenn es schwer sein mag sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, im Vorfeld mal wegen der Kosten anzuklopfen. Ggf. kann man dies auch mit dem Betreffenden machen, sei es um Wünsche abzuklären, damit auch nach dem Ableben alles so läuft, wie es erwünscht ist.

Zur Bestattung verpflichtet sind die nachstehenden Personen in nachfolgender Rangfolge

– Ehegatte/Ehegattin oder eingetragene Lebensparter
– die Kinder
– Enkelkinder
– Eltern
– Großeltern
– Geschwister

Aber Achtung! Gibt es ein Vermögen und ein Erbe und ihr seid nicht im Testament oder als Erbe bedacht, sind der oder die Erben in der Pflicht die Bestattung zu zahlen.

Seid ihr nicht in der Lage zu der Beerdigung zu zahlen, besteht die Möglichkeit beim Sozialamt ein Sozialbegräbnis zu beantragen. Hier werden dann die Kosten für ein einfaches günstiges Begräbnis – nicht aber für die Trauerfeier – übernommen. Aber Achtung! Es werden nicht nur die wirtschaftlichen Verhältnisse des Verstorbenen, sondern auch des Bestattungspflichtigen berücksichtigt.

Nur bevor falsche Gedanken kommen, oben stehende kosten gelten nur für eine anonyme Bestattung ohne Trauerfeier, ohne Grabredner und all diesen Dingen. Eine normale Beerdigung mit Grab kann schon mal eben schnell 5.000 – 8.000 Euro oder bei exquisiten Wünschen schnell auch mehr kosten.

In meinem Fall habe ich Glück, dass der Bestatter Ratenzahlung anbietet…

Foto: Norbert Beck

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