Ich bin schlank, man sieht es nur noch nicht – Happy Birthday

Heute auf dem Tag ist es genau 10 Jahre her, wo meine erste Reise begann. Am Ende stand ich nur noch halb so schwer da, alles andere gehört fast schon ins Reich der Legenden. Und wie ist es mit Legenden. Die Erinnerung wird immer grauer. Nebel kommt auf. Und irgendwann kann man selbst kaum glauben das es mal wahr gewesen sein muss.

Genauso ist es 10 Jahre her das „Ich bin schlank, man sieht es nur noch nicht“ als Motto und Blog entstanden ist. Die Anfänge waren noch in einem Abnehmforum, später einen Laufforum, letztlich entstand ein eigenständiger Blog draus, der je nach Phase mal mehr mal weniger gefüllt wurde. Die letzten Jahre waren mehr durch Krankheit und die Pflege meiner Mutter geprägt. Themen, wo man nicht gern drüber schreiben möchte.

Am vergangenen Samstag war ich Einkaufen. Im Laden war ein Mann, der mir gewichtsmässig locker das Wasser reichen konnte. Ich stellte mir die Frage, die sich sicher viele Menschen stellen. Warum nur müssen Menschen mit deutlich zu viel Hüftspeck sich immer Klamotten anziehen, die von der Optik für Menschen mit sehr viel weniger Gewicht gedacht sind? Ab einer gewissen Grenze sieht das einfach verboten aus.

Nerviger Weise war mir dieser Koloss auch laufend im Weg, und das so das man keine Chance hatte drumherum zu kommen. Ich hatte immerhin einen Vorteil: Ich konnte mich auf zwei Beinen besser bewegen als dieses schlechte Vorbild.

Darauf brauch ich mir aber nichts einzubilden. Ich musste zu Lebzeiten meiner Mutter immer alle Wege machen und viel Gewicht auf zwei Beinen, da mussten zwei Stampfer bei rauskommen, die locker einen Elefantenkörper elegant bewegen konnten.

Nein, wenn es um Vorbilder ging, war ich davon etwa soweit entfernt, wie ein Eisbär von einer WM-Medaille im Skilanglauf in der Sahara. Nicht ganz 7 Jahre ging es ja irgendwie, aber dann kamen Krankheiten, Gesundheitsprobleme und die Pflege meiner Mutter nagte auch immer mehr an mir.

Ich bitte mich nicht falsch zu verstehen. Ich habe meine Mutter gerne gepflegt. Und wenn ich wieder vor der Entscheidung stehen würde, ich würde es sofort wieder tun. Aber ich würde mir einen in die Tasche lügen, wenn ich sagen würde, dass das ganze spurlos an mir vorbei gegangen ist.

Wenn ich auf eine Waage steige, dann kommt prompt die Anweise diese doch bitte nur einzeln zu betreten. Will ich morgens aus dem Bett aussteigen, kann ich, wenn es nicht vorher in sich zusammengeklappt ist, auf allen vier Seiten gleichzeitig.Wobei vorne? Nein, da bestünde die Gefahr, das ich über die 0,5 cm Überstand stolpere, die die Matratze im Bett hält.

Gehe ich an der Nordsee schwimmen, hätte ich Probleme wieder aus dem Wasser zu kommen, weil Greenpeace mich immer zurück ins Nass ziehen würde.

Atme ich pfeift es ab und an wie eine alte Dampflok. Bekomm ich vom Asthma einen Hustenanfall glauben Schmetterlinge das sie in einen Wirbelsturm geraten sind.

Kaufe ich Klamotten verzähle ich mich beim Nachzählen der vielen X-e die auf dem Größenetikett stehen.

Nein, irgendwas muss passieren.

Bei Arzt und Co. ist in den letzten Wochen genug schief gegangen. Also wieder wie vor 10 Jahren den Hals selbst aus der Schlinge stehen.

Nun stehe ich beim Discounter und kaufe tatsächlich zwei Stöcke. Wozu ich die brauche? Keine Ahnung? Vielleicht zum Passanten verprügeln. Man könnte diese auch zum Winken nehmen.

Walking. Was habe ich diese Walker als Läufer verflucht. Wenn diese unterwegs waren gab es kein hintereinander? Nein, es wurde immer nebeneinander gegangen, so dass ich über die grüne Wiese überholen musste.

Und dann dieses Gerede? „Hast Du Sonntag Ritas Käsekuchen probiert? Der war so lecker!“ „Ja und der Schweinebraten aus dem Smoker zum Mittag erst…“. Bei so Themen kann man doch gar nicht abnehmen. Ich musste immer schleunigst Abstand gewinnen, wollte ich nicht laufenderweise 10 Kilo zunehmen.

Denk ich daran, wie mancher Walker seine Stöcke hält, hatte ich immer nur den Verdacht, dass diese die Stöcke nur dabeihaben, um auf dem Boden eine Spur zu ziehen, damit sie den Weg nach Hause wieder finden.

Und nun steh ich da… zum Laufen viel zu schwer und will selbst Walking machen. Oder zumindest schnelles gehen. Wie tief war ich nur gesunken? Aber es half nichts. Wenn ich irgendwann wieder vernünftig leben will, muss ich das Wunder von vor 10 Jahren wiederholen. Ich muss mich nochmal halbieren. Aber vielleicht gibt es ja doch noch ein Wunder mit dem Reha-Training. Wer weiß, wer weiß…

Bild: Norbert Beck/canvas

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