Diskussion und Kultur

Habt Ihr auch die Videos von diesen Knallköppen gesehen? Schauspieler die sich erdreisten, Dinge in diesem Land sarkastisch, zynisch, satierisch zu kritisieren. Diese Nazibande aus rechtsdrehenden Schrubilanten. Sowas geht ja mal gar nicht. Und wie die die Pfleger und Ärzte beleidigen, auch wenn sie eigentlich nichts sagen. Und die Toten erst, so eine Frechheit. Und dann machen diese Kappen nicht mal Vorschläge die man auseinander nehmen kann.

Na, findet Ihr Euch in den Worten wieder? Dann gehört ihr wahrscheinlich genau, zu denen die ich ansprechen möchte.

Ja, Corona ist schlimm. Ja, die Toten sind schlimm. Ja, das Gesundheitssystem dreht am Rad. Aber ging es bei der Aktion #allesdichtmachen darum, irgendjemand zu beleidigen oder zu diskreditieren? Ich denke eher nein.

Satire darf ja bekanntlich alles, auch wenn genau der Teil der diese Aktion nun kritisiert, das der Satire absprechen will. Allerdings hat Tucholsky schon 1919 in seinem unter Pseudonym geschrieben Werk “Was darf Satire?” auch gesagt: “Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.” Ja, so ist es nunmal.

Zu einer Diskussionskultur gehört, das man den anderen, wenn dieser eine andere Meinung vertritt auch zuhört. Ich rede hier jetzt nicht von den Schwurblern, den Ewiggestrigen, den Reichsbürgern und sonstigen Divergenzen. Allerdings haben wir ein Problem: Sobald jemand eine andere Meinung hat, wird dieser sofort abgekanzelt.

Schubladendenken

“Du bist ja ein Nazi!”, “Wo hast Du deinen Aluhut gelassen?”… Andere Meinung, also ab in die Schublade. Kein Reflektieren mehr ob der andere in dem Punkt zumindest recht haben könnte, kein eigenes Denken. Eben schön bequem und einfach. Es ist ja immer besser, sich mit anderen nicht auseinander setzen zu müssen. Es sind ja eben Andere. Gilt in die andere Richtung mit den Gutsmenschen und dessen vielen Verwandten natürlich genauso.

Meiner ist größer als Deiner!

Und wenn sich auseinander gesetzt wird, gibt es gleich die virtuellen Schwanzvergleiche. Mein Professor hat mehr geleistet als Deiner. Ist dein Professor überhaupt einer, oder hat der den Titel nur gekauft? Zwei Virologen haben aber gesagt… Na und? Mein Experte hat bisher immer Recht gehabt. Aber seien wir uns doch mal im Klaren: Wir wissen weniger als wir wissen. Oder warum waren erst Masken schlecht und sind jetzt das non plus Ultra. Es gab viele Aussagen, erst in die eine, dann in die andere Richtung, weil sich gängige Thesen irgendwann als falsch oder überholt erweisen. Viel in der Wissenschaft ist halt “Try and Error”. Und der Mensch ist nun mal Mensch und glaubt lieber den Theorien, die ihm besser ins Konzept passen.

Im Zweifel, man selbst weiß eh alles besser!

Was weiß der schon? Der beste Virologe ist Elses Mann, der war vorher virtueller Bundestrainer und hat nun noch seinen virtuellen Doktortitel gemacht.

Wir sind doch alle perfekt!

Wir wissen ganz genau, das das Corona nur von 5 bis 22 Uhr ungefährlich ist, da ist es Hell, da traut sich das Virus nicht vor die Tür. Bis Mitternacht traut es sich zumindest auch an Spaziergänger und Jogger nicht ran, weil diese da noch zu schnell sind. Die ersten zwei Stunden muss das Virus auch erstmal wach werden, da kann das sich nicht gleich um Fußgänger kümmern.

Das Virus ist schlau und hinterhältig. Im Baumarkt, da lauert das Virus, im Gartencenter nicht. Um zu Unterscheiden, was nun Baumarkt und was ein Gartencenter ist, muss man schon intelligent sein, insbesondere wenn es sich um einen Baumarkt mit Gartencenter handelt.

Und das Virus kann lesen! Glaubt Ihr nicht? Ich hätte es auch nicht gedacht! Aber es kann genau unterscheiden wer Gewerbetreibend ist und wer ein popeliger Normalbürger. Das steht im Baumarkt an der Theke und liest mit, wenn der Gewerbetreibende seinen Gewerbeschein vorlegt. Hat er das getan, weiss der Virus: “Ah, der darf, denn darf ich nicht infizieren!”.

Mit dem Wissen sind wir sicher weiter, als mancher Wissenschaftler oder Schwurbler.

Und wenn alles nichts hilft: Todschlagsargumente!

Mehr als 80.000 Tote hat Corona gefordert. Und wenn man Maßnahmen kritisiert beleidigt man deren Ansehen.

OK. Schluss mit Lustig. Nun mal eine Gegenfrage: Was ist mit den Toten die aufgrund der Maßnahmen zu stande gekommen sind. Gründe gibt es viele.

  • Operationen die Verschoben wurden
  • Notwendige Behandlungen, die sich ob der Choronamaßnahmen verschieben
  • Gesundheitliche Gefahrensituationen, wo die Menschen aus Angst vor Corona nicht mehr zum Arzt oder in Krankenhaus gehen (Asthma, COPD, Infarkt, Schlaganfall, der sogenannte schnelle Herztod usw.)
  • Sperrung von Trainigseinrichtungen (Übergewicht, ein gesundheitlicher Risikofaktor nicht nur für schwere Corona-Verläufe, sondern auch fürs Leben durch Sub-Krankheiten wie hoher Blutdruck, Diabetes und Co.

Über diese Toten spricht niemand. Auch tauchen diese in keiner Statistik auf. Was ist mit deren Ansehen? Wenn man mit Toten argumentiert, sollte man immer beachten, das die Medaille zwei Seiten hat. Und hier gibt es kein “Meine Toten sind wichtiger als Deine.” Jeder unnötig gestorbener ist einer Zuviel, gerade deshalb muss man die Frage der Verhältnismäßigkeit stellen. Drehe ich an Parameter A, gibt es immer welche die an der anderen Seite hinten runterfallen. Zur Zeit kann man aber das Gefühl bekommen, das es nur erlaubt ist eine Seite zu nutzen, gerade weil man meint das man mit diesem Totschlagsargument die Diskussion direkt beenden zu können, ohne sich mit dem eigentlichen Thema auseinander zusetzen.

Mal ganz im Ernst: Und das ist meine offen und ehrlich! Wer meint mit so einem Argument, wie dem Aufrechnen von Toten, eine Diskussion beenden zu müssen, ist für mich keinen Deut besser als ein Schwurbler oder Corona-Leugner, der ebenso keine andere Argumente zulässt. Ein hohes Gut der Demokratie und einer freien Gesellschaft ist es, das man auch andere Meinungen zulässt und diskutiert. Ich sehe hier sogar eine Errungenschaft für unsere Zukunft. Andere Ideen, andere Lösungsansätze können genauso, vielleicht sogar besser zum Ziel führen. Wer sich hier der Diskussion verweigert, behindert unter Umständen sogar den Vorschritt oder positive Entwicklungen.

Ich beobachte dies auf einen Sozialen Medien-Kanal unserer hiesigen Tageszeitung, wo bei jeder Coronameldung sich etwa ein Dutzend Leute melden und gebetsmühlenartig immer wieder und immer wieder wiederholen, wie sich doch alle bitte gefälligst zu verhalten haben. Kommt jemand mit einer anderem Meinung, dann fliegen verbal schonmal die Fetzen, so das eine Beleidigung noch das höfflichste der Dinge ist, die man da sehen kann.

Ach, ja die Medien. Stimmt, da war ja bei der Kritik auch etwas bei.

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Norbert Beck

Author: Norbert Beck

Einst war er schlank, man sah es aber nicht. Dann befiehl ihn der Spirit of the Hawk. Nun ist er nur noch Norbert Beck und will eigentlich nur eins: Gesund werden.

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2 thoughts on “Diskussion und Kultur

  1. Schon dadurch, dass Du zu einer Rückkehr zur Diskussionskultur aufrufst, machst Du Dich in den Augen vieler verdächtig. Diskutieren heißt, die Argumente des anderen ernst zu nehmen und dabei seinen eigenen Standpunkt zu überdenken.
    Genau das wird aber von einigen Leuten nicht gewünscht, da dadurch der Absolutheitsanspruch der eigenen Meinung infrage gestellt wird.

  2. Hallo Dirk,
    das Problem ist Gefühlt eher das denken anstrengt und selbst denken auch nicht mehr gefragt ist. Viel zu unreflektiert werden Meinungen Dritter einfach als die eigenen übernommen und das nicht nur bei den sogenannten Schwurblern.
    Natürlich ist es auch nicht gefragt zu Diskussionen aufzurufen. Da muss man sich mit anderen auseinandersetzen. So funktioniert aber Demokratie nun mal. Würde diese Linie scharf fortsetzen müsste ich sogar sagen, das Menschen die nicht Diskussionsfähig sind, eine Gefahr für die Demokratie darstellen. Ein Trend den man leider immer mehr beobachten kann, auch bei unseren Politikern. Nur diese Wundern sich dann das dann die Stimmen bei Extremen gleich welcher Art landen, man aber nicht erkennt, warum dies geschieht und macht einfach so weiter wie bisher, denn das was man gemacht hat ist ja richtig.
    Das finde ich schade. Nein eigentlich nicht nur das, sondern sogar bedenklich.

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