Meine Woche – Woche 17/2021

„Du hast zwei linke, linke Hände“, hat mein Vater immer zu meinen handwerklichen Fähigkeiten gesagt. Kein Wunder, er hatte Baumaschinen-Schlosser gelernt. Arbeitete im Bergbau, später wieder in seinem eigentlichen Beruf und was Handwerk betraf hatte er Geschick bis zum geht nicht mehr. Ich bin beim Kreischen der Kreissäge freiwillig aus dem Keller verschwunden.

Vielleicht war das eine der wenigen Sachen, die mir mein alter Herr übelgenommen hat, dass ich damals in einen kaufmännischen Beruf ging und nicht wie er dem soliden Handwerk frönte. So einige Sachen habe ich dann aber doch bei ihm gelernt. In seinen letzten Jahren bekam er unerklärliche Zitteranfälle. Er stand dann mit einer Schleifhexe an der Treppe und wollte eine scharfe Kante wegmachen, und drohte mehr sich, als das Metall an der Treppe zu verstümmeln. Ich hatte mich überwunden und dann selbst Hand angelegt. Sein Kommentar war nur: „Schön ist anders, aber immerhin kann sich keiner mehr weh tun.“

Nach seinem Tod habe ich dann auch Kreissäge und Stichsäge in mein Repertoire aufgenommen, genauso wie ein Elektroschweissgerät, Bohrmaschine, Akkuschrauber und letztes Wochenende einen Schlaghammer mit dem man Bohren, Schlagbohren und Meißeln kann.

In meiner Küche sollte vor etwa 7 Jahren ein schöner neuer Fliesenboden rein. Das Problem war, das irgendwo unter dem was den bisherigen Boden bildet, ein schwankender Dielenboden war. Das war das Ende der Fliesen. Aber auch lange das Ende einer voll funktionsfähigen Küche.

Ich hatte Regale kauft, die meinen Haushaltsgeräten dauerhafte feste Standplätze gewähren sollten. Nur auf gebrochenen Fliesen, Mörtel und Co. steht nichts gerade. Ich muss dazu sagen, dass wir damals einen sehr guten Fliesenmörtel genommen haben. Über Hammer und Meißel lachte dieser nur. Also besorgte ich einen Schlaghammer mit mehreren Meißelaufsätzen.

Nun stand ich da, der Junge, der einst vor einer Kreissäge weglaufen war und wollte ein noch schwereres und lauteres Gerät einsetzen. Lustig fand ich die Bedienungsanleitung, die erklärte was ich alles zu meiner Sicherheit tun oder nicht tun sollte, aber nicht erklärte, wie das Gerät mit einsetzen Meißel nicht rumrühren, sondern hämmern sollte. Ein Glück gibt es mittlerweile für fast alles Youtube-Tutorials.

Jetzt aber ran an die Fliesen. Und das ging richtig gut. Das Einzige was mich störte, war das die Maschine sauschwer war und dementsprechend das Handling für mich manchmal an gewisse Grenzen stieß. Feinarbeit undenkbar.

Die Fliesen sollen nicht komplett weichen, zur linken stehen Schränke und die sollten stehen bleiben, wie sie stehen. Also müssen zwei Reihen Fließen bleiben und dann beim Rest Fließen, samt Mörtel, samt Schwingungsuntermatte raus. Und da war ich bei meinem Problem angelangt. Mit dem Schlaghammer traute ich mich nicht an die Naht. Mit einem Trennschleifer befürchtete ich in den Boden zu schneiden, zudem war der letzte vor längerer Zeit abgeraucht. Multifunktionstool, das müsste gehen. Also wurde ich letzte Woche nicht mit meinen Küchenbauarbeiten fertig.

Ich bestellte ein Multifunktionstool, was mir noch an anderen Stellen helfen wird, einige L-Winkel mit der ich eine Holzkonstruktion, die nach dem Wasserschaden im Februar etwas Schräglage bekam, wieder zurück in seine Ausgangsposition fixiert wird. Ich maß meine Regale nochmal aus. Fand, nachdem die Rollstuhlfahrerin nicht mehr da war, dass in eine Küche ein Tisch gehört, der plötzlich zu einer Arbeitsinsel wurde, die ich aus zwei frisch bestellten Regalen bauen werde, wo unten noch einiges an Stauraum vorhanden ist, ich aber oben eine etwa 1 m² große Arbeitsfläche bekomme.

Im Eingang der Küche stand früher ein zweiter Küchenschrank, den ich überflüssig wie einen Kropf fand. Irgendwie passte der nicht dahin. Im selben Stil, wie das Regal, welches die Arbeitsinsel bilden wird, fand ich noch ein Regal… also noch mehr Stauraum. Flächenverbinder, sorgen dafür das meine Arbeitsinsel zusammenbleiben wird. Der Gliedermaßstab bestätigte mir das alles passen wird. Und so die Transportdienste nicht versagen, wird kommende Woche alles geliefert. Eine voll funktionelle Küche, mein Traum wird wahr.

Eigentlich kann ich stolz sein, das ich mittlerweile mit Handwerken einigermaßen meinen Frieden gemacht hab. Ich glaub mein Vater würde nicht schlecht staunen. Allerdings plane ich anders. Bei mir steht im Hintergrund immer die Frage: Wie bekomme ich das, was ich baue wieder auseinander. Mein Vater hat oft nach dem Motto gebaut: “Wenn alles gut, geht muss ich das nicht wieder auseinanderbauen!”. Darüber fluche ich noch heute an der ein oder anderen Stelle.

Derweil kramte ich meine Sportschuhe wieder raus, die ich im letzten Herbst organisiert habe, samt der Handtücher. Am Montag sollte das erste Rehatraining folgen.

Ja, langsam geht es voran. Die Waage blieb im Bereich von +/- 500 Gramm. Ein Pfund sind halbe Sachen und die Waage soll sich wiedermelden, wenn sie Kiloverluste zu melden hat.

Foto: Norbert Beck/Layout: canva

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Norbert Beck

Author: Norbert Beck

Einst war er schlank, man sah es aber nicht. Dann befiehl ihn der Spirit of the Hawk. Nun ist er nur noch Norbert Beck und will eigentlich nur eins: Gesund werden.

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