Meine Woche – Woche 18/2021

Diese Woche bin ich also 48 geworden. Zwei Jahre noch, dann beginnt das Zeitalter mit der 5 vorne dran. Eigentlich die Zeit sich einen Ferrari zu kaufen und Frauen und oder aber Männer (je nach eigener Präferenz und Geschmack) von unten an zu sehen.

So ein Flitzer kompensiert einiges. Zu kleines Selbstbewusstsein, zu kleines Genetial, zu großer Bauch, Six-Pack im Kofferraum statt über den Hosenbund, sogar die ersten grauen Haare… sobald Du einen Nobelhobel mit massig PS dein eigen nennen kannst, ist das egal. Das Auto macht dich sexy, anbetungswürdig, liebenswert was auch immer du willst und solang Du daran glaubst.

Ich fahre fast seit 10 Jahren einen Dacia Logan. Ich werde der erste und der letzte Besitzer dieses Vehikels sein. Ich weiß das die Karre, wie es mancher bezeichnen würde, kein Statussymbol ist. Und paar Beulen hat der Wagen unfreiwilligerweise auch. Aber bisher hat er mich immer dahin gebracht, wo ich wollte.

Normal galt das auch immer für die Füsse. Nur die können auch nicht ohne den Rest des Körpers und wenn der genug Macken hat, nutzen einem auch die besten Füße der Welt nichts.

Nun, das erste Training vom Reha-Plan war hinter mir gebracht. Ein Waterloo.

Ich hatte den Termin für Freitag abgesagt. Zwischenzeitlich rief mich ein Trainer vom Reha-Zentrum an. Ich sollte, das am Montag entschuldigen, das war ein Vertretungskurs mit einer Trainerin die meist eher Fortgeschrittene trainiert. Eigentlich wäre er der richtige Trainer und er bat mich ihm nochmal eine Chance zu geben. Ich sollte doch Donnerstag….

Nein, Donnerstag ging nicht. Ich bin an meinem Geburtstag grundsätzlich nie zuhause und das nun schon seit meinem 30ten Geburtstag, wo ich damals meine Mutter auf die Wartburg ausgeführt habe. Es hatte damals zwar in Strömen geregnet, wir sind damals mangels Auto und Führerschein und eingestellten Busverkehr zwar pudelnass geworden, aber dies wurde trotzdem zur Tradition.

Warum ich an meinem Geburtstag nicht da bin? Ich war eigentlich der Einzigste der noch regelmäßig Geburtstag feierte. Kuchen, Torte, Häppchen, Abendessen, Getränke. Bei den anderen hieß es irgendwie dann immer: „Passt gerade nicht, wir holen das mal irgendwann nach.“ Dabei blieb es. Und ich hab mir gesagt: „Das mit dem irgendwann kann ich auch.“ Und was ich erst recht konnte, war das Geld für einen tollen Tag für mich ausgeben. So war ich auf der Wartburg, in Hamburg und Berlin, in Friedrichskoog, im Zoo zu Erfurt und Hannover und und und… auf jeden Fall eins: Ich war am Geburtstag nicht zuhause.

Und meine Freunde… Wer einen anderen Menschen gepflegt hat, weiß schnell was Freunde sind. Die meisten sind mit der Zeit in Deckung gegangen und haben sich aus meinem Leben verabschiedet. Meist ging das nach dem Prinzip: „Sag Bescheid wenn Du Hilfe brauchst!“, dann waren die Freunde verschwunden. Es ging nicht mal darum Hilfe zu brauchen, aber sie waren einfach Weg. Diese Erfahrung hat mir geholfen, das Wort Freundschaft nicht mehr leichtfertig zu gebrauchen.

Das das dieses Jahr anders kommen sollte, war mir nicht klar.

Am Dienstag, stand ein Arztbesuch an. Die Blutdruckwerte waren besser, aber nicht optimal, also Medikamentenwechsel.

Am Ende dann die Frage der Fragen: „Wie sieht es dann mit der Corona-Impfung aus?“

„Ja, ich schau mal nach.“, tippen im Computer, mehrere Fenster öffneten sich, darunter eins wo etwas wie eine grüne Ampel zu sehen, war und dann die Aussage: „Donnerstag gegen 12 Uhr.“. Donnerstag war mein Geburtstag. Eigentlich wollte ich nach Erfurt. Zwei Wege: Laufladen und IKEA. „OK, dann bis 12 Uhr übermorgen.“, verabschiedete ich mich überrascht so schnell einen Termin bekommen zu haben.

Ich hatte mir von Mittwoch bis Freitag Urlaub gegönnt. Also ließ ich es am Mittwoch ruhiger angehen. Chaos beseitigen, Sachen aussortieren. Noch immer gilt es aus etwa 2 ½ Haussständen einen zu machen und manchmal komme ich mir da vor wie dieser komische Ritter von der traugigen Gestalt der auf einen Esel gegen Windmühlen angeritten ist.

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag habe ich dann äußerst schlecht geschlafen. Meine angeschlagene Gesundheit vs. Eine Corona-Impfung. Das könnte eigentlich nur eine Schnappsidee sein.

Zwischenzeitlich machten mir noch Bestellungen Ärger. Eine Lieferung die eigentlich am Mittwoch da sein sollte wurde still und heimlich auf Freitag umterminiert, kam dann aber doch schon am Donnerstag in der Packstation an. Eine größere Lieferung sollte eigentlich erst am Freitag kommen, stand plötzlich auf Donnerstag in Zustellung, just für das Zeitfenster wo ich zur Impfung weg sein sollte. Also Lastminute-Umterminierung auf Freitag, in der Hoffnung das die Pakete früh genug kommen und ich noch nach Erfurt kann.

Meine Lockerheit beim Doc zur Impfung war nur gespielt. Der Vorgänger des jetzigen Praxisinhabers übernahm die Impfungen in den Hinterräumen der benachbarten Apotheke. Vorgespräch, Eintrag in den Impfausweis vorbereitet. Dann in einem anderen Raum gehen und Picks. 10-15 Minuten warten und dann konnte ich wieder gehen.

Inkl. aller Wartezeiten dauerte die Nummer fast zwei Stunden. Man hatte mir schon gesagt, das ich Zeit mitbringen solle. Der zweite Termin ist auch schon grob fixiert, mit der Info: „Rufen Sie ein paar Tage vorher nochmal an, damit wir das zeitlich eingrenzen können.“

Mit einer Schale Erdbeeren und einem Kaffeekännchen verschwand ich gen Meissner und setzte mich an einer Lichtung auf eine Bank mit Tisch und genoss die Natur, die Sonne wurde kräftiger. Und ich ließ den Tag locker ausklingen.

Die Zeitplanung machte mir den Freitag zu Nichte. Statt wie erhofft am Vormittag kam die größere Lieferung erst am frühen Nachmittag. Damit war einmal Erfurt und zurück mit zwei Stationen nicht mehr zu schaffen. Da ich um 18 Uhr einen Termin beim Physio hatte. Beidseitig zwickten die Hüften die letzten Tage immer wieder.

Am Ende stellte sich der Kollege Piriformis als der Übeltäter heraus. Der Physio orakelte direkt etwas von zuviel Krafttraining. Ich verneinte, ich hätte mich die Tage nur etwas mehr bewegt als sonst. Dann zeigte ein Finger auf meinen voluminösen Bauch und der Physio sagte nur „Also doch Krafttraining.“ Wenn ich mit dem Physio nicht befreundet gewesen wäre, hätte ich ihm das übel genommen, aber so… irgendwo hatte er recht.

Der Physio verdonnerte mich zu einer handvoll kleinen Übungen, die er direkt mit mir durchging und bis zum nächsten Termin sollte eine Verbessung da sein. Wenn er das sagt… bisher hat das eigentlich so ziemlich immer gepasst.

Irgendwie ging es mir am Freitagabend nicht ganz so gut. Wenn ich mich freiwillig abends gegen 20 Uhr ins Bett verziehe, dann muss irgendwas nicht stimmen. Mein Magen rumorte etwas. Ich hatte ein leichtes Kopfbrummen. Und irgendwie schlief ich doch ein.

Das ganze hatte aber ein Vorteil: Ich war am nächsten Morgen um 6 Uhr hellwach und fühlte mich wieder topfit.

Die Schuhe die ich probieren wollte, sollten mit einem Paket kommen. Das ist der Vorteil wenn man seit Jahren immer wieder in einem Laufladen kauft, Stammkundenvoreil. Das einzige was mir bei den Schuhen fehlen wird ist das übliche Fachgesimple im Laden. Mit der Zeit hatte ich mir in den letzten Jahren soviel Wissen rund um Laufschuhe angeeignet, ich könnte selbst fast Laufschuhverkäufer werden.

Nur Ikea nervte mich etwas. Ich brauchte einen Spezialverbinder für ein Regal. Damit ich nicht durch den Laden muss, was durch die Erfurter Corona-Werte entweder nicht oder nur mit Test gegangen wäre – versucht bei uns in der Kleinstadt dafür mal einen Termin zu bekommen – ohnehin schon gleich Click-und-Collect vorbestellt. Nun wollte ich auch das mir zusenden lassen. Die Teile die ich brauchte kosten 5,99 €, also lag ich Gesamt bei 12 Euronen. Fragt besser nicht was der Versand gekostet hätte. Also einmal nach Erfurt düsen, abholen und gleich wieder heim, war zumindest Spritkostentechnisch billiger.

So hatte ich auf dem Weg nach Erfurt in Gotha bei einem Discounter eingekauft, war punkt genau zur Öffnung der Warenausgabe da und auch als einer der ersten dran und irgendwo rund um 10 Uhr war ich wieder im Werratal und machte die Umgebung von Burg Ludwigstein unsicher. Früher bin ich da öfter mal gelaufen, diesmal war es nur loses um drei Ecken gehen und Sonne genießen.

Danach ging es heim… den nächsten Morgen vorbereiten.

Irgendwo waren noch ein paar Asics Gel Kayano 25 versteckt, die ich eigentlich mal als Studioschuhe nehmen wollte. Wegen der farbigen Sohle hatte ich dies verworfen und ein Auslaufsmodell von Brooks, meinen geschätzten Adrenaline, getauscht. Meine Alltags Adrenalines waren zum Sporteln nicht mehr zu gebrauchen und die neuen Schuhe waren noch nicht gekauft. Also mussten die Assics-Treter herhalten. Asthmaspray, In-Ear-Kopfhörer, Kopftuch, sportliche Hose, Shirt, eine Schere und paar Hustenlutscher, ja das sollte reichen.

So kam ich bei etwa 10 Grad Temperatur, schönen Sonnenschein mit dem Auto bei den Bad Soodener Bruchteichen an. Schon vor 10 Jahren hatte ich hier Walkingrunden gedreht. Ein relativ Ebenes Gelände, wenn man von einer moderaten Steigung am zweiten Teich zum Wald hin mal absieht. Zwei Teiche, wenn man die Runde quasi wie eine 8 läuft, ziemlich genau 4 km. Genaugenommen 3,98 und das auch nur wenn man ein drittel Nicht direkt am Teich läuft, sondern in Richtung des großen Parkplatzes und von dort wieder Richtung Teich zurück.

Erstmal saß ich im Kofferraum. Stöcke auspacken und einstellen. Vor ein paar Wochen hatte ich mir ein paar Walkingstöcke gekauft, die ich seither spazieren gefahren habe, bis sich mal die Gelegenheit ergeben sollte. Und die war eben heute.

Also Kopftuch wie ein Pirat übergezogen. Musik eingestellt, Stücke in den Händen stand ich da. Die frische Morgenluft um mich rum. Die Teiche in denen sich der Himmel blau spiegelte. Ein paar Enten, die quakten. Es war wie „nachhause kommen“. Viel zu lange hat da was gefehlt.

Ich ging los. Erst war es etwas schwierig die Füße mit den Stöcken zu koordinieren. Irgendwie war immer etwas im Weg. Nach zwei Kurven sah das ganze aber schon besser aus und die Strecke wurde mir immer Vertrauter.

Nun müsste das Pferdekopf-Z kommen. Der Weg nimmt hier eine Streckenform wie ein Z. Und in diesem Z hatte schon mal ein Pferd seinen Kopf genau so in den Weg gestreckt, das es einem wortwörtlich knutschte. Gut, diesmal war da kein Pferdekopf, ein Pferd – ob es nach den jahren noch das Pferd war, weiss ich nicht – stand auf der Koppel mit einigen Kühen als Begleitern.

Zwischenzeitlich zwickte der Rücken erheblich. Das war mir klar, das der nicht wirklich mitspielen wollte. Aber dafür war die Strecke genau richtig. Alle Nasenlang gab es Bänke. Ich überging die nächste Bank, frei nach dem Motto „eine hat der Rücken noch durchzuhalten“ und machte bei der nächsten einen 5 Min. Stopp, dies Spiel wiederholte sich noch ein weiteres Mal.

Natürlich ist es schade, das ich zu so „Klimmzügen“ greifen muss, aber immerhin konnte ich so die vorgenommene Runde machen. „Und wenn die Kilos weniger werden und der Rücken stabiler, brauche ich irgendwann keine Rücken-Erholpause mehr.

Wobei ich muss dazu sagen, das die Stöcke auch gewisse Vorteile haben. Irgendwie zwangen die Stöcke mich beim gehen den Rücken gerade zu halten. Was auch dafür sorgte, das der Schmerz nicht so schnell wieder kam. Ein Problem was mir manchmal schon beim Einkaufen ärger machte.

Es war ein tolles Gefühl wieder da zu sein. Und je weiter ich kam umso mehr wuchs dieses Hochgefühl. Tja, wenn ich was kann dann die Nummer auf den zwei Beinen. Es hatte zwar nichts wirklich mit Tempo zu tun, aber es war definitiv Bewegung. Und es fühlte sich im Gegensatz zu anderen Dingen an, als ob ich das sicher zwei bis drei Mal die Woche machen könne und das es mir weiter Spaß macht.

Ich hatte mir vorher gedanken gemacht, was alles schief gegen könnte. Notfallspray fürs Asthma. Brauchte ich nicht. Dafür hatte ich mir zwischendurch immer mal eine Salbeipastille in den Mund gelegt und gelutscht, wenn ich das Gefühl hatte, das doch ein Belastungshüsteln kommen könnte und wie ein Wunder das reihte aus. Ich machte mir Gedanken wegen der Hüften – wo mein Physio noch sagte Bewegung ist gut, solang ich nicht mit meinem Schwergewicht einen Marathon laufen wolle. Gehen, einfaches Gehen, hatte er mir vorgegeben und das ging. Und mit den Mini-Pausen hielt ich auch meinen Rücken in Zaum.

Das was mich ärgerte war die Technik. Meine Smart-Uhr hat ob ihres Billigpreises zwar GPS, aber während der Trainingsaufzeichnung ließ diese plötzlich etliche Funktionalitäten vermissen. Meine Kopfhörer machten dank Bluetooth zwar Tut-Tut, aber irgendwie war nach paar Minuten der Sound weg und zwar jedes Mal wenn das Handy in der Jogginghose verschwand.

Leider habe ich von Geburt an nur zwei Hände und die waren mit den Stöcken belegt. Was aber seltsamerweise ging war, ein Ohrhörer im Ohr und einer verschwand wieder in seiner kleinen Aufbewahrungsdose. So war das aber auch nicht geplant. Ich hatte mir tolle Musik zur Feier des Tages ausgesucht und konnte die nur mit halber Kraft hören.

Aber irgendwie war es beruhigend. Das es nur die Technik war, die schief ging. Ich ging dafür für einen ersten Anfang recht passabel.

Am Ende der Acht hatte ich knapp 4 Kilometer zusammen, war stolz wie Oscar. Und genoss noch etwas die Sonne, auf einer Bank nahe des Parkplatzes meines Autos. Zuhause gab es dann Frühstück. Es war kurz vor Neun. Auf dem Heimweg kamen mir die ersten Jogger entgegen. Aber ich hatte meinen Job für heute schon getan.

Man sagt ja, das das Impfen soviele Nebenwirkungen haben sollte. Ich kenne auch einige, denen es nach dem Picks einige Tage richtig dreckig ging. Wie soll ich es sagen, ohne das ich mich bei denen unbeliebt mache? OK, es geht wohl nicht anders, die einzige Nebenwirkung die ich habe, ist das die Stelle wo ich den Picks bekam etwas geschwollen ist und sich anfühlt als hätte ein Weltklasseboxer einmal aus Spaß voll davor gehauen. Ich hoffe das bleibt auch beim zweiten Picks so.

In der Küche kam ich nicht weiter. Ein Spezalaufsatz für das gelieferte Werkzeug gehörte nicht zur Standardlieferung. Der hiesige Baumarkt hatte, einen Aufsatz aber vom falschen Hersteller nur die Aufsteckart war nicht kompatibel. Bosch, Dremel usw. bei allen kann man bei diesen Multitools die Aufsätze frei durchtauschen. Ich erwisch genau den Hersteller der sein eigenes Süppchen kocht. Naja, nun kommt es auf die paar Tage auch nicht mehr an.

Die Waage meldete mal eben minus 1,5 kg. Und ich geh damit zufrieden ins Bett. Im Schlaf Pläne für die nächste Woche machen und morgens aufwachen und sich nicht mehr an meine nächtliche Genialität erinnern. 😉

Foto: Norbert Beck/Layout: canva

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