Testbericht: Xiaomi Mi Watch Lite

Ja, ich gebe es zu: Ich bin ein Uhrenfetischist. Ich stehe auf multifunktionale Uhren, die mir was über meinen Herzschlag sagen, die wissen wie viele Schritte ich gegangen bin, mir Nachrichten und Anrufe anzeigen und meine Musik steuern. Ich mag das einfach. Der Akku meines Fenix 3HR ist eine Nullnummer, der günstige Fitnesstracker ist für meine zukünftigen Ambitionen nicht mehr zeitgemäß. Also überlegte ich, was ich tun kann, dies kann man im Bericht „Tick Tack – macht die Uhr“ nachlesen.

Nun habe ich seit zwei Monaten eine Smartuhr von Xiaomi im Gebrauch. Xiaomi, ein chinesischer Hersteller, von dem ich auch schon einiges an Handys hatte und selbst das Poco-Handy, welches mein derzeitiges Haupthandy ist, kommt aus deren Haus. Schlecht ist das, was Xiaomi herstellt schon lange nicht mehr. Gerade bei den Handys hauen die einen Klopper nach dem anderen raus. Aber hier geht es ja um eine Smartuhr.

Die Xiaomi Mi Watch Lite kommt in einem nobel aussehenden Karton, der einem gleich schon das Gefühl von Wertigkeit gibt. Und die Uhr selbst braucht sich auch nicht zu verstecken. Zwar brilliert in erster Linie Kunststoff, dieser ist aber 1a verarbeitet.

Das Auspacken

Mit der Xiaomi Wear-App ist die Uhr schnell mit dem Handy verbunden und man kann Einstellungen vornehmen, andere Skins auf die Uhr laden.
Entschieden habe ich mich für die Uhr, weil diese mit unter 60 Euro sehr günstig war, Trainingsfunktionen bietet und GPS von Haus aus an Board hat. Es gibt zwar auch Fitnesstracker, die GPS-funktionalität haben, aber in den meisten Fällen ist damit gemeint, dass eine Verbindung zum Handy da sein muss und das Handy die GPS-Daten liefert. Das sollte hier nicht der Fall sein.

Pulsmessung

Die Uhr misst den Puls. Und das scheinbar recht zuverlässig. Bei einem Test bei einem Arzt waren zwischen den angezeigtem manuellen Testwert und dem handvermessenen Wert keine 3 Schläge unterschied. Was schon recht genau zu sein scheint. Die Uhr misst in regelmäßigen Zeitintervallen, man hat aber auch die Möglichkeit manuell eine Messung auszulösen. Etwas versteckt in den Einstellungen kann man dabei auch die Intervalle einstellen, wie häufig gemessen wird. Ich habe meine Einstellungen bei 30 Minuten belassen. Man könnte auch kürzere Intervalle einstellen, aber je mehr man misst, umso mehr geht das auch auf die Akkuleistung.

Meldungen

Nachrichten und Anrufe vom Handy werden zuverlässig gemeldet, sowohl bei diesen als auch bei der Timerfunktion wird die Meldung mit einer leichten Vibration bemerkbar gemacht. Was gar nicht mal so schlecht ist.

Musiksteuerung

Man kann über das Handy Musik steuern, was aber nur rudimentäre Funktionen sind. Titel vor, Titel zurück, Pause, Weiter… eine Playlist von der Uhrstarten oder derartiges ist nicht verfügbar. Dazu muss man immer noch um Handy greifen.

Die Uhr bietet als kleine Features noch einen Kompass und ein Barometer. Nett. Wenn man es braucht. Ich bin selten in der Pampa, wo ich mich nicht auskenne, daher sind die Funktionen für mich nur nett, nicht mehr nicht weniger.

Schrittzählung und deren Genauigkeit

Natürlich werden auch Schritte gezählt. Und da fangen wir mal mit dem positiven an. Man kann eine Schwelle für den Tagessoll setzen. Dieser wird dann auch von der Uhr signalisiert. Interessant fand ich es aber, dass ich an einem Tag von meinen 5K – ja ich weiß das ist wenig, aber gesundheitsbedingt – Schritten erst 2500 gemacht hatte. Ich hatte einen auswärtigen Termin und machte eine Fahrt mit dem Auto. Kurz vor meinem Ziel waren die 5000 Schritte voll. Im Sitzen. Im Auto. Keine Ahnung, was für Bewegungen die Uhr da gezählt haben will. Ich bekomme hier allerdings Zweifel an der Genauigkeit der Schrittzählung.

Nutzlose Schlafüberwachung

Vergessen solltet ihr gleich mal die Schlaffunktion. Was die Uhr einigermaßen ermitteln kann, ist anhand des Pulses, Euren Bewegungen, der Lage usw., wann ihr eingeschlafen seid und wann ihr Eure Melatoninausschüttung beendet und Euere Augen wieder geöffnet habt. Schlafqualtität, kann die Uhr nicht messen. Dies gilt nicht nur für die Mi Watch lite, sondern für alle derzeit auf dem Markt befindlichen smarten Uhren. Um die Schlafqualität zu messen, sind deutlich mehr Parameter nötig, als diese von der Uhr gemessen werden können. Also hängt Euch an solchen Angaben nicht auf.

Trainingprobleme

Kommen wir dann mal zum Training. Schnell kann man die Art des Trainings, dabei sogar Laufen auf dem Laufband, auswählen. Ich hatte beim Walking immer Gehen gewählt. Die Geschwindigkeit, Strecke, Durchschnittsgeschwindigkeit und der Puls werden permanent angezeigt. Und hier auch gleich das Problem.

Ich höre beim Training gerne Musik. Diese kommt vom Handy direkt auf den Kopfhörer und es kommt dabei schon mal vor, dass sich ein falscher Titel in die Playlist gemogelt hat. Ich grinse leicht, hebe den Arm an wische auf dem Display der Uhr und fluche. Nichts tut sich. Im Trainingsmodus blieb die Anzeige auf den vorgenannten Werten stehen. Keine Chance auf die Maske mit der Musik zu kommen und einen Titel weiterzugehen. Also doch wieder Handy aus der Hose ziehen.

Sehr gute Akkulaufzeit

Bevor ich zu einem weiteren Manko komme, zur Akkulaufzeit. Ohne Trainings hält das Akku fast 14 Tage bei mir. Das ist ein Wort. Wo ich meine Fenix im Dauergebrauch hatte, bin ich bestenfalls auf knapp eine Woche gekommen.

So bisher war es gut bis mindestens Mittelmaß. Jetzt ziehen sich Wolken auf.

Schmerzen im Handgelenk – zu enges Armband?!?

Seit ich die Uhr anhabe bekomme ich Schmerzen im Handgelenk. Ich dachte eigentlich, dass ich hier ein Einzelfall bin, dann habe ich das Internet mal bemüht und das Thema Handgelenksschmerz mit der Uhr taucht öfter auf und meistens bei Männern. Ich vermute mal das hier die größeren Armumfänge eine Rolle spielen. Es gibt zwar andere Armbänder, aber ein wirklich längeres habe ich bisher bei keinem Fremdhersteller gesehen.

Die App und keine Exportmöglichkeiten

Meine Fenix konnte ich über einen Treiber am PC auslesen. Das war praktisch, so landeten die Trainingsdaten bei der Plattform meiner Wahl. Die Mi Watch Lite überträgt die Daten per Bluetooth. Keine Chance an die Datei zu kommen. Aber vielleicht geht ja über die Mi Wear App was?

Man kann fast die ganze Uhr über die App einstellen. Man kann sämtliche Statistiken von Schritten, Puls über Training bis zu den überflüssigen Schlafauswertungen in der App ansehen. Man kann Einstellen welche Apps Meldungen an die Uhr schicken dürften und vieles mehr. Aber weder ein Im- noch ein Export der Daten ist möglich. Und das ist für mich schon ein No-Go.

Es muss wohl früher mal über die Google Wear App möglich gewesen sein, die Daten auch auszulesen. Zumindest wird in ein zwei Foren davon berichtet. Mittlerweile geht dies nicht mehr. Beim Connect versuch wird zwar noch die Uhr erkannt, aber dann bleibt das System im Kopplungsmodus stehen, wo nur noch ein Beenden der App hilft.

Schlussworte

An sich ist die Mi Watch Lite eine kleine, aber feine Smartwatch und es wäre auch unfair, diese mit einer Uhr zur Vergleichen, die neu mal eben fast das 10fache gekostet hat. Aber so Punkte, wie das im Training keine weitere Verwendung der Uhr möglich zu sein scheint – ist sicher von Herstellerseite mit einem Update behebbar machen das Feeling einfach eher Durchschnittlich.

Das die Daten aber in der Xiaomi Cloud festhängen und man keine Möglichkeit hat, diese an seine Lieblingsplattform zu übergeben, ist für mich ein Punkt, wo ich mit der weiteren Nutzung für mich Probleme bekomme. Da die Uhr aber ihre Grundfunktionen erfüllt und für Ihren Preis sehr viel bietet, bekommt diese immerhin noch 3 von 5 Sternen.

Trotzdem, für mich selbst werde ich die Fenix 3HR zu einem spezialisierten Uhrmacher einschicken und das Akku tauschen lassen. Auch wenn die Uhr für mein derzeitiges Training deutlich überqualifiziert ist, funktioniert dort immerhin alles so wie ich es möchte und vielleicht auch gewohnt bin.

Produktbild: Xiaomi/Layout: canva

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