Meine Woche – Woche 20/2021

Man soll den Morgen nicht vor dem Abend loben. Ein alter Spruch, dem ich früher nicht so viel abgewinnen konnte. So langsam merkt man aber, dass an diesen alten Sprüchen doch immer wieder ein kleiner Funken Wahrheit ist.

Erst gab meine alte Waage auf. Die Pinnökelchen auf denen die Waage stand waren immer schon recht wackelig, einer davon angebrochen, nein mittlerweile durchgebrochen. Auch kleben brachte hier nichts. Damit kam Gina ins Haus. Gina ist meine neue Waage und heißt so, weil ein Etikett mit der Typenbezeichnung sie mir so vorgestellt hat und Gina ist nett. Sie darf bleiben.

Zwischen Standsicher, schräg und wackelig können bei einer Waage schon mal ein paar Kilo liegen. Ich war die ganze Zeit leicht angepieselt das es auf der Waage nur so langsam voran geht. Was ich nicht wusste, war das die alte Waage immer nur die halbe Wahrheit an den Tag brachte. Die neue Waage war da, ausgepackt. Und sie sprach mit mir. Ja, Gina hat eine Stimmausgabe.

Eine Stimmausgabe bei einer Waage ist recht praktisch. Ab einer gewissen Kilozahl sieht man nicht mehr, was einem eigentlich zum Mann macht. Der Experte spricht hier von einen Spiegeleierbauch. Also nicht, dass man die nun was ist, was sich spiegelt, vielmehr braucht man den Spiegel um… ach lassen wir das.

Irgendwann schiebt sich die Kullinarikwölbung so nach vorn, dass man die Füße nicht mehr sieht und spätestens dann ist es auch mit den sehen der Zahlen der Waage nach Beendigung des Messvorgangs eher schlecht.

Gina sprach mit mir und ich vernahm ein Gewicht, was ich nicht glaubte. Ich untersuchte noch ob die Waage nicht doch irgendwie kippelte oder ob da noch Styropor war, was verhinderte das ich mit meinem massigen Körper die Waage ganz durchdrücken konnte. Nein, da war nichts. Ich ging noch weitere drei Mal auf die Waage und die Waage erklärte mir mit ihrer Säuselstimme, dass da irgendwo 7,8 Kilo weniger waren als wie bei der letzten Wiegung.

Nicht, dass ich glaube das ich innerhalb einer Woche 7,8 Kilo abgenommen habe, sondern die alte Waage hatte wohl mittlerweile einen leichten Schuss. Naja. Fast 11 Jahre in einem Haushalt und nicht immer wirklich freundlich behandelt, wer kann es ihr verdenken. Möge sie in Frieden ruhen. 7,8 Kilo… aber das Beste hebe ich mir heute für den Schluss auf.

Ich wollte abends wieder rausgehen. Schritte machen. Am Mittwoch lief das etwa so:

Mittags um Drei sollte es laut Wetterbericht gewittern. Ich saß an der Arbeit. Keine Wolke am Himmel. Abends um 19 Uhr. Ich hatte gegessen und noch paar Sachen abzuholen, stieg ich aus dem Auto aus. Wolkenfreier Himmel, Sonne. Ich mache mich fertig, nehme meine Stöcke und zockele von Dannen. 12 Minuten später war ich wieder am Auto. Pitschnass. Der berühmte begossene Pudel wäre neben mir trocken gewesen. Es donnerte und blitze. Pechschwarze Wolken schoben sich über den Himmel, wo Minuten vorher noch strahlendes Blau war und ich fluchte über den Wetterbericht.

Am Folgetag lieg es nicht viel besser. Ich beschloss nahe Bad Sooden-Allendorf auf einen Feldweg Richtung Wahlhausen zu Walken. Ein Querweg würde mich auf einen geteerten Weg in Richtung Parkplatz zurückbringen. Der Weg war eine Buckelpiste, wo ich schon früher nicht gut mit meinen Füssen mit klargekommen bin. Dazu entschied sich mein Magen-Darm-Trakt, obwohl ich vor dem Losfahren auf dem Klo war, mir das Leben schwer zu machen. Nach nicht ganz 25 Minuten Abbruch.

Das ging ja gut los… meine Stimmung war eher negativ geprägt. Aber wie hatte ich Eingangs noch gesagt? Man soll den Morgen nicht vor dem Abend loben. In diesem Fall eher das Wochenfinale vor bevor die Woche vorbei ist.

Vor genau 6 Jahren war ich das letzte Mal mit meiner Mutter in Friedrichskoog. Wir hatten eine kleine, aber feine Ferienwohnung direkt im Ortsteil Spitze. Wenn man diese Wohnung über die Terrasse verlassen hat und quer über die Wiese ging, landete man auf einen kleinen Weg. Dieser ging noch über eine Brücke an einem Entwässerungsgraben und endete nach etwa 200 m an einem Aufgang zum Deich. Und genau hinter diesem Deich war der Badestrand. Perfekter Standort.

Leider war es so, dass die Wohnung nach dem wir diese gebucht hatten länger nicht zur Vermietung zur Verfügung stand. Und dann wurde meine Mutter so krank, dass diese Wohnung uns nichts gebracht hätte. Leider fehlte hier ein Pflegebett. Gut, das wäre von Platz wegen auch gar nicht reingegangen.

Genau, die Ferienwohnung fand ich nun in einem Portal wieder. Ich habe die Bilder gleich wieder erkannt. Die kleine Terrasse. Der knapp 30 m² große Multifunktions-Wohn-Koch-Ess- und Schlafraum. Und die Vermieter hatten einen etwas eigenwilligen Namen, den konnte man nicht vergessen. Aber total liebe Menschen, Namen sind eben nicht alles.

Und soll ich was sagen? Ich habe für Oktober vorgebucht. 10 Tage.

Wer nun meint, das lässt sich nicht mehr toppen. OK, wenn Ihr meint.

Ich hatte früher eine Trainerin. Die Frau sieht auch heute noch supergut aus. Sie ist fit bis zum geht nicht mehr. Wenn sie läuft, fliegt ihr Haar nur so im Wind. Und sie kann locker 10 Kilometer laufen, ohne wirklich zu schwitzen. Ich brauchte nach 500 m schnellen gehen nicht mehr nur ein Handtuch. Ich brauch ne Wanne in der ich mich auslaufen lassen kann. Dazu hat die Frau Ahnung vom Training. Sie hat nicht nur einen Trainerschein, sondern diverse Fortbildungen im Bereich Reha, Ernährung und und und.

Und… sie hatte mich schonmal auf dem Weg zum Marathon trainiert. Ihre Trainingsplanung war unkonventionell, manchmal überraschend und manchen sogenannten Trainingsexperten mutete das, was sie mir auf dem Plan schrieb als seltsam an. Aber für mich funktionierte es. Wir waren uns immer einig, was man aus einem Klappergestell mit verbogenen Teilen keinen ICE mehr machen könne, aber mit etwas mehr Anlauf und drehen an einigen Stellschrauben, ging auf jeden Fall deutlich schneller als die Bimmelbahn.

Dazu weiß sie mit körperlichen Schwächen umzugehen. Unter ihren Fittichen war mein Rücken fast schmerzfrei. Ich konnte jederzeit Laufschuhe anziehen und einfach mal so eine Stunde laufen.

Nur, sie bekam dann ein Kind, ich bekam einen Pflegefall und machte aus meiner Gesundheit was ähnliches.

Ich schilderte ihr, was passiert war, was ich gemacht hatte. Was nicht geht, wo was kaputt ist. Welche Zipperlein ich mir dazu geholt habe. Und auch was ich für Trainingsversuche ich mit welchen Erlebnissen hinter mir hatte und bat sie um ein Gesprächstermin. Ob, das was ich derzeit zu bieten habe, für eine regelmäßige Trainingsplanung ausreicht, muss man sehen, aber gemeinsam mit ihr werde ich versuchen herauszufinden, was machbar ist und was nicht und was sinnvoll ist oder was ich besser sein lassen sollte.

Zwar sind es noch knapp drei Wochen, bis ich den Ersttermin habe. Aber immerhin ein sehr sehr positiver Lichtblick. Schon aufgrund meiner Erfahrungen und der vergangenen Erfolge vertraue ich ihr Blind, zumal das ganze mit ihr immer ein Miteinander war. Wir haben zusammen besprochen, was ich machen würde. Sie hat nie diktiert, was ich zu machen habe. Und damit machte das Training auch Spaß. Auch wenn das hieß, das ich früher ungeliebte, gymnastische Übungen machen sollte, um Rücken und sonstige Gelenke zu stabilisieren.

Freitagabend machte ich in der untergehenden Sonne einen Spaziergang. Diesmal ohne Stöcke, dafür mit noch mehr Spaß. Ich genoss es draußen zu sein. Die Sonnenstrahlen. Herrlich.

Samstag, machte ich Hausarbeit. Einkaufen, Einräumen, Aufräumen, Waschen, Ausmisten.

Der Sonntagmorgen galt dann der Bewegung. Um Zeit zu sparen, ersparte ich mir wieder der Stöcke. Und ging bei uns im Ort. Erst kam es mir so vor, als ob ich nicht richtig vom Fleck käme. Als ich, dann aber über dem Marktplatz schlich und von meiner Uhr benachrichtigt wurde, dass ich die Tagesschritte voll hatte, war es mir auch piepegal das es mittlerweile angefangen hatte zu nieseln. Ich war stolz, dass das erledigt war. Vor dem Frühstück.

Zum Mittagessen machte ich eine Art Hühnerfrikassee, nur das ich die Hähnchenteile angrillte und im Reis statt der üblichen Zwiebeln und Erbsen noch frische Spargelstücke hinzufügte. Ich bin zwar kein Fan von Spargel aber die Tatsache, dass dieses Wurzelgemüse nur 18kcl je 100 gr. hat, machte es mir angenehm. Ich habe sogar noch eine Portion für Montag zur schnellen Küche.

Mit meinen angepassten Kalorienzielen komme ich sehr gut klar. Kein Hungergefühl – das muss auch nicht sein, wer abnimmt und glaubt das ginge nur mit sich was weghungern, der macht irgendwas falsch. Mittlerweile bin ich auch recht kreativ beim Einkauf.

In einem besseren Supermarkt mit viel Bioware aus eigener Produktion, waren Hähnchenbratwürste im Angebot. Ich war eigentlich nur zum Reiskaufen abends noch in dem Laden. Aber vor dem langen Wochenende wurden die Würstchen herunter gezeichnet. 40%. Zwei Damen vor mit meinten, das was so im Preis runter gesetzt wurde, nicht mehr gut sein könne. Ich habe alle 12 Würste genommen. Diese in Zweier-Portionen tiefkühlgerecht eingetütet und eingefroren. Damit habe ich für kleines Geld nun 6mal Geflügelbratwurst. Mich hat es gefreut.

Auf Facebook, war ich vor Wochen einigen Gruppen beigetreten. Thema Abnehmen. Gestern bin ich dann auch bei der letzten Wieder rausgegangen. Es könnte sein, dass ich mich jetzt etwas unbeliebt mache!

Ja, es gibt Essstörungen. Sowohl zum Übergewichtigen hin als auch ins extreme Gegenteil. Beides ist nicht gesund, beides sind Krankheiten. Aber mein Gefühl war, das ¾ aller Teilnehmer der Gruppen ihre sogenannte Essstörung nur als Entschuldigung benutzten nichts zu tun. „Ich kann nix dafür, dass ich so fett bin. Ich habe eine Essstörung.“ Eine wirklich tolle Entschuldigung.

Dann siehst Du, Fotos vom Essen der jeweiligen Leute. Und da wird sich gegenseitig für die Kreativität beim Kochen gelobt. Und ich frage mich zum einen von dem was da aufgetischt wird und auch von den Mengen, ob die betreffenden Personen wirklich abnehmen wollen. Mein Eindruck, war eher nein. Und wenn dann die Depriphase mal wieder gewonnen hat – „warum bin ich nur so dick, warum werde ich keine Kilos los“ dann steht wieder die Essstörung im Vordergrund.

Mal ehrlich. Entweder man will abnehmen, dann macht man auch wirklich was oder man lässt es bleiben. Und wenn man wirklich das Gefühl hat, das das Leben nur lebenswert ist, wenn man 3 Tüten Snickers in sich reindrückt, dann darf man sich a) nicht beklagen, wenn die Waage irgendwann mal mehr anzeigt statt weniger und b) muss man sich fragen, warum man sich keine Hilfe holt. Termine bei Psychologen können hier hilfreich sein. Und c) muss man sich bewusst sein, dass Erfolge nicht von heute auf morgen kommen, aber dass man trotzdem dranbleiben sollte.

Wenn dann noch eine moppelige Prominente erklärt, das sie durch Corona angefangen hat, wieder etwas zu trainieren, sie aber nur etwas fitter werden möchte und dass es ihr gar nicht um die Kilos geht, weil sie sich mit ihrem Übergewicht wohl fühlte, könnte ich fast schon aus der Haut springen.

Nein, massives Übergewicht ist nichts zum Wohlfühlen. Die gesundheitlichen Nachteile sollten eigentlich Grund genug sein, was zu ändern und nicht nur das das andere auf einem zeigen. Das Problem ist allerdings hier, dass das Moppel-Sein sowas wie ein Markenzeichen geworden ist und vielleicht aus Klientel-Gründen kein Interesse daran besteht etwas zu ändern.

Mir hat es viel Geholfen, dass ich einen Blog und auch einen Podcast führe und dies mittlerweile auch Zeige. Bei einem eher kleineren Anbieter für Shirts und Bedruckung fand ich im Bereich von 5XL einige Shirts, bei dem ein oder anderen Stand „zu eng, eher größer bestellten“. Ich hatte erst Bedenken. Passen perfekt und ich trag, die Shirts, auf denen der Name meines Blogs und der Slogan steht, mittlerweile sehr gerne. Und wenn dem Gegenüber ein Lächeln durchs Gesicht fährt, merke ich, dass diese Person gelesen hat, was dasteht.

Am Sonntag war ich wieder auf der Waage. Reguläre Wochenwiegung. Nochmal 2,7 Kilo weniger.

Mir hat mal jemand gesagt: Wer von einem hohen Gewicht kommt, verliert anfangs mehr und schneller Kilos als das übliche Pfund oder Kilo die Woche. Und das stimmt. In der Anfangszeit gehen überflüssige Wasseranlagerungen und der gleichen recht schnell verloren. Und wenn erstmal die Fettverbrennung wieder richtig läuft, dann gehen auch so durch Bewegung viele Pfunde fast wie von allein.

Ich halte es immer so, dass ich sage der erweitere Grundumsatz minus etwa 500-700 kcal, das ist das was ich am Tag zu mir nehme. Das reicht für nicht ganz ein Kilo in der Woche. Dazu könne ich dem Abnehmen sämtliche verbrannten Kalorien durch meine zusätzlichen Bewegungseinheiten. Ich lasse mich dazu verführen, nur weil mir eine App sagt „Du hast heute 800 kcal zusätzlich verbrannt“, dass ich mich ans Eisfach setzte und die Packung Pücklereis auf einen Schlag leere. Warum auch? So, bringt es mir auf der Waage mehr und es macht auch morgen noch Spaß, wenn ich zum Abendessen ein paar kalte Löffel mir dazu gönnen kann.

Nochmal 2,7 Kilo weniger, das bedeutet einiges…

Mittlerweile sind deutlich über 20 Kilo gegangen. Meist mehr geschlichen. Hier mal ein Kilo, da mal ein Kilo. Ich sag mir immer, merkt man ja gar nicht. Naja, vielleicht doch, wenn ich es mir überlege, dass die angeblich engen 5XLer Shirts mir auf einmal sehr gut passen und ich beim Schnürbund mittlerweile so viel Band überhabe, das ich eine richtige Schleife, statt einfach nur einen Knoten machen kann.

Diese 2,7 Kilo haben aber auch eine noch größere Bedeutung…

Mein BMI ist mit der gestrigen Wiegung bei 59,7 angekommen. Zum ersten Mal seit langer Zeit, unter 60. Allein das zeigt mir schon, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Ich merke aber auch im Alltag, viel positives. Ich bewege mich insgesamt deutlich mehr. Dabei kommt mein Notfallspray für mein Asthma fast gar nicht mehr zum Einsatz.

Vor einigen Wochen habe ich mir noch einen Berg davor gemacht ein paar Schritte zu gehen. Mittlerweile ist es so, dass ich beim meinen Gehrunden – so ich nicht von was anderen ausgebremst werde – für meine Pausen auch schon mal eine Bank suche, die etwas abseits von der geplanten Strecke liegt, nur weil diese schöner ist oder ich dort eine schönere Aussicht habe, auch wenn das heißt das ich paar Schritte mehr machen muss.

20 Kilo weniger heißt, aber auch, dass ich nur noch 30 Kilo davon entfernt bin, wieder mit einem moderaten Lauftraining anzufangen, sofern dann mein Rücken und meine Atmung mitspielt.

Es mag sich für andere makaber anhören, wenn ich von „nur noch 30 Kilo“ rede. Aber wenn man 20 Kilo weghat, im Fluss ist, die Erfahrungen hinter sich hat, die ich habe, dann sind 30 Kilo eben nicht mehr viel, sondern nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Fallen werden. Ich weiß das ich das kann und schaffe. Insbesondere da meine Magie wieder da ist und die sagt klipp und klar: „Ich bin schlank, man sieht es nur noch nicht!“.

Fotos: Norbert Beck/Layout: canva

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