Ernährung – Der kleine Selbstbetrug – Alles Low-Carb oder was?

Der kleine Selbstbetrug - Alles Low-Carb oder was?

An anderer Stelle dürfte ich es schon gesagt haben: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.  Vielleicht neigt er auch dadurch immer mal wieder zum Selbstbetrug. Wie ich darauf komme? Nehmt doch mal Vegetarier. Alles sollte pflanzlich sein, Milch, Ei ist OK, aber kein Fleisch. Ist auch in Ordnung.

Ich selbst bezeichne mich eher als Flexitarier. Ich esse selten Fleisch. Und selbst da lasse ich im Regelfall Schwein und Rind weg. Das hat einfache Gründe: Ein Medizinmann hat mir mal erklärt, dass bei rheumatischen Rückenbeschwerden, rotes Fleisch nicht wirklich optimal sei. Das führte dazu, das ich mich bei meiner Ernährungsumstellung entschieden habe, das wenn „Fleisch“ auf dem Tisch kommt dieses entweder Federn oder Schuppen hatte und somit der Gattung Geflügel oder Fisch angehört.

Warum muss vegetarisch wie Fleisch sein?

Nur, was ich halt nicht verstehe, ist warum muss man Wurst, Mett, Fleisch unbedingt pflanzlich nachbauen. Da gibt es Schnitzel, die sehen aus wie Schwein, die schmecken wie Schwein, da ist aber kein Schwein dran. Mir bleibt da immer eine Live-Verkostung des NDR-Magazin „Markt“ im Hinterkopf, wo Mortadella verkostet wurde und gefühlt 7 von 10 Leute sagten, dass der Ersatz aus Pflanze die richtige Mortadella – also die aus Fleisch – sei. Es ist ja schön, das sowas geht, aber da bleibt für mich immer noch die Frage: Warum?

Gut, wenn wir mal richtig gucken, sind unsere Schinken, ja auch keine Schinken, sondern zusammengeklebte fleischliche Fasern, nur der Optik und schönen Scheiben wegen. Aber es gibt Dinge, die muss ich nicht verstehen…

Die Suche nach Low-Carb-Abendgerichten

Im Rahmen meiner Ernährungsumstellung suchte ich Low-Carb-Gerichte für den Abend. Irgendwie tat ich mir damit schwer und immer nur Salat, könnte irgendwie langweilig werden. Da mich die Rezepte in diversen Portalen nicht ansprachen, ging ich in Facebook in entsprechende Gruppen.

Was ich erwartet hatte, waren fleischlastige Gerichte, die ich für mich erst abwandeln müsste. Das nicht alles passen würde, war mir von vornherein klar. Aber bei rund 2.000 Mitgliedern, würde schon das ein oder andere Rezept für mich abspringen. Nur was ich dann so alles sah, hat mich dann doch etwas schockiert!

Die Zucker-Diskussionen

Statt der vorgenannten Dinge, gab es jeden Tag mindestens drei neue Diskussionen – inhaltlich dabei immer dieselben – welcher Zuckerersatzstoff denn der Beste zum Abnehmen sei. Bitte versteht mich jetzt nicht falsch. Jedem das seine. Aber ich bin jemand der nichts von Ersatzstoffen gleich welcher Art hält.

Das Problem sind dabei aus meiner Sicht nicht die Ersatzstoffe an sich, sondern was daraus gemacht wird. Da wird dann die These vertreten, dass dieser Zuckerersatzstoff gut sei, weil er absolut nicht wie Zucker verstoffwechselt wird und den Insulinspiegel nicht beeinflusst. Mag sein, aber das ist noch lange nicht das OK, das man nun essenstechnisch reinhauen kann, wie früher nur weil der Körper die Süße nicht so verarbeitet, wie normale Zucker.

In diesen „Süßigkeiten“ sind genug Kohlenhydrate, die nicht aus Zucker bestehen. Und der Irrglaube „hat ja keinen wirklichen Zucker“ verleitet dann, dazu mehr zu essen, als man sollte. Insbesondere für Menschen, die eine Ernährungsstörung haben, ist dies Problematisch.

Schlimmer als die Zuckerthematik, fand ich eigentlich den Selbstbetrug, den zahlreiche Mitglieder da begehen.

Der kleine Selbstbetrug mit “Low-Carb”

Muffins, Kuchen, Torten, Gebäckstücke… alles wird auf Lowcarb umgestrickt.

Eins muss man, den Nutzern anrechnen: Ja, es werden Kohlenhydrate eingespart. Nur mal sollte auch mit sich ehrlich sein. Das ein Muffin jetzt 46 Gramm statt 58 gr. Kohlenhydrate hat, macht diese immer noch nicht zu einem Low-Carb-Gericht. Selbst bei einer liberalen Low-Carb-Ernährung, entspricht dieser eine Muffin dann immer noch fast der halben Tagesaufnahme an Kohlenhydraten, die laut Empfehlung zu sich genommen werden, sollte.

Ob das nun Sinn macht oder Sinnfrei ist, beleuchte ich die Tage in einem eigenen Artikel über Low-Carb und Co. Hier geht es rein nur um den Etikettenschwindel, der teilweise betrieben wird.

Wo ist das Problem, hat man ja früher genauso gemacht, oder?

Irgendwie erinnert mich dieses Verhalten ans Mittelalter. Von Aschermittwoch bis Karfreitag wurde gefastet. Nichts Süßes, kein Fleisch. Der Mensch war aber findig. Es entstanden die sogenannten Herrgottsbescheisserle, wie der Schwabe sagen würden. Die Schwaben packten das Fleisch in Nudelteig. Aber auch andere Gerichte, wie Bratwurst im Schlafrock und dergleichen Stammen aus der Zeit. Fleisch, was man nicht sieht, ist kein Fleisch.

Genau, dasselbe Prinzip sehe ich hier bei diesen Pseudo-Low-Carb-Gerichten. Hauptsache, ich schreib Low-Carb dran, dann suggeriert es das das ganze gar nicht so schlimm ist. Fleisch, was man nicht sieht, ist kein Fleisch. Selbes Schema.

Das Ende vom Lied war, das ich nach einigen Tagen diese Gruppen wieder verlassen habe.

Mein Standpunkt

Um es einfach zu sagen: Wer unbedingt Schmandwaffeln essen will, soll wegen mir Schmandwaffeln essen, dann entsprechend in Maßen. Und sollte jemand das Problem haben, das er eine vorbereitete Zwei-Tagesportion auf einem Schlag, wegfuttert, spätestens dann ist es Zeit sich zu überlegen, ob man nicht Hilfe, ggf. auch von einem Psychologen, benötigt.

Aber dieses: Ich mach von Namen her etwas Harmloses draus, dann darf ich das auch, das grenzt dann schon nicht mehr nur an Selbstbetrug. Das mag jetzt, für manchen hart klingen, aber manchmal reicht eben nicht mehr das Winken mit dem Zaunpfahl. Leider…!

Foto: canva/Layout & Gestaltung: mit canva/Norbert Beck

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