26. Juni 2022

Der Reiselaptop

Meine Mission war, ein kleines Reiselaptop zu erstellen. Bildschirm etwa 10, 11 Zoll, Gewicht etwa ein Kilo. Die Auswahl, die man da findet, ist groß. Alte Chromebooks, Netbooks. Teilweise kann man schon für einen Fuffi ein kleines Reisespielzug schiessen.

Das Erste wo man hier darauf achten sollte ist: Was lache ich mir an?

Chromebooks sind extrem billig. Allerdings auch mit Problemen behaftet.

GalliumOS ist ein Linuxsystem, was auf Xubuntu basiert und speziell auf Chromebooks zugeschnitten ist. Je Prozessor und Grafikkarte, die im Chromebook enthalten sind, gibt es entsprechende Images, die genau hierauf zugeschnitten sind. Grundsätzlich schonmal was Positives. Das Negative: Die letzte Version von GalliumOS stammt aus dem Jahr 2019. Lt. Reddit ist eine neue vierte Version derzeit nicht in Planung. Man kann also davon ausgehen, dass diese Schiene über kurz oder lang, was ein aktuelles System betrifft, wegstirbt.

Chromebooks haben ein internes Linux. Grundlegend ist dies wie jedes andere auch, steht aber nur aktuellen Chromebooks ab Baujahr 2019 zur Verfügung und ist je nach System nur als Beta-Version nutzbar.

Das größte Problem für die Installation eines Linuxsystems dürfte der Bootloader sein. Im Regelfall, lässt dieser das Booten vom Stick nicht zu und bietet auch keinen Modus an, in dem das machbar ist. Daher ist oftmals vor Installation eine neue Firmware aufzuspielen.

Und selbst wenn man es schafft, dann ein z. B. GalliumOS zu installieren ist nicht gesagt, dass alles funktioniert. Auf der Kompatibilitätsseite des Herstellers liest man quer durch die Fabrikate von Problemen mit Bluetooth, WLAN oder dem Soundsystem. Und das sind noch die leichteren Probleme…

Für mein Reisesystem habe ich mich für ein HP Stream 11 mit 4 GB Arbeitsspeicher und 64 GB emmc-Festplatte entschieden. Der Vorteil ist, dass man hier auch einen größeren emmc-Speicher einsetzen könnte. Dies ist der Nutzung einer Micro-SD-Karte im entsprechenden Port vorzuziehen.

Apropos Micro-SD-Karte: Lt. System-Referenz sollen maximal 128 GB bei den Micro-SD-Karten erkannt werden. Derzeit habe ich eine 400 GB Karte drin. Das, was funktioniert, hängt auch sehr vom Betriebssystem an. Oder anders gesagt: Manchmal hilft es einfach doch zu probieren.

Der Stream 11 ist ein Windows-Rechner mit einer die auf Braswell basiert, wie dieser auch bei vielen Chromebooks zu finden ist. Daher wäre ein GalliumOS nicht die schlechteste Wahl.

Um überhaupt ein Drittsystem installieren zu können muss der Bootmodus geändert werden. Beim Stream 11 drückt man direkt nach dem Start die ESC-Taste und dann bekommt man ein Menü mit möglichen Auswahlpunkten. Mit der F11 kommt man in den Bootloader. Hier muss man den Legacy-Modus aktivieren. Ist dieser ausgegraut, lässt sich dieser Modus nicht aktivieren und die Reise ist damit schon so ziemlich am Ende.

Was bewirkt der Legacy-Modus?

Eigentlich arbeiten die meisten Geräte mit UEFI und hier im Secure Boot-Modus. Dieser Modus bewirkt, dass Schadsoftware vom Rechner ferngehalten wird, da nur signierte Systeme installiert werden können. Viele Hersteller nutzen dies aus und liefern nur „Ihre“ Signaturen mit, damit nur das oder die Betriebssystem(e), die dem Hersteller genehm sind installiert werden können. Somit kann es z. B. sein, dass man auf ein Laptop Windows zwar installieren kann, ein freies Linuxsystem aber nicht.

Der Legacy-Modus stellt das alte Verhalten, wie man es von früheren Systemen kennt, wieder her. Sprich: Hier kann man eine eigene Bootreihenfolge festlegen und auch unsignierte Systeme installieren.

Ich bin für mein Reiselaptop den Weg gegangen, dass ich diverse aktuelle ISOs heruntergeladen habe. Mint, Xubuntu, Lubuntu, Gallium, Mate, am Ende des Tages waren es etwa 8 oder 9 Distributionen, die ich dann mit dem Tool YUMI-UEFI auf einen Stick habe schreiben lassen. Jede Distribution habe ich im Live-Modus getestet. Dabei schlossen die Tests die Verbindung zum WLAN, sowie die Soundausgabe ein. Am Ende des Tages ließen sich etliche Distributionen gar nicht starten, so endeten Mint und Xubuntu in einer Kernel-Panik, dafür fuhren Lubuntu und Mate sauber hoch.

Angesicht es Arbeitsspeichers und das Mate direkt vom Stick auch schon sehr flüssig lief habe ich mich dann für Mate als System entschieden.

Die Anforderungen am System waren nicht groß.

  • Internet > also ein Browser
  • Mails > also ein Mailclient
  • Texte schreiben > also entweder ein Editor oder ein Office
  • Rudimentäre Bildbearbeitung > also ein Grafikprogramm
  • Audioaufnahme > Ein Voice-Recorder
  • Audiobearbeitung > Ein Audio-Bearbeitungstool

Beim Browser habe ich mich für Firefox und bei den Mails für das Gegenstück Thunderbird entschieden. Beides läuft sehr flüssig.

Die Textverarbeitung hätte auch Pluma – also der zu Mate gehörende Texteditor machen können. Wenn ich Beiträge für meinen Blog schreibe, brauch ich keine Formatierung, das mach ich in WordPress und dort läuft auch via Browser die Rechtschreibkorrektur. Trotzdem hatte ich mich entschieden, LibreOffice zu installieren. Beim Start ist dieses etwas träge, aber im Arbeiten läuft es flott wie andere Programme.

Die Bildbearbeitung macht GIMP. Fachleute kommen beim Arbeiten mit GIMP schon dem Primus Photoshop von Adobe nahe. Bei mir geht es nur darum, ein Bild etwas zu beschneiden, den Hintergrund zu entfernen oder ähnliches.

Bei der Audioaufnahme kam es dann zum ersten Problem. Ich habe bis zu drei Audioquellen am Laptop. Allesamt USB-Mikrofone bzw. Headsets, die auch als solches erkannt werden, soweit so gut.

Beim Aufzeichnen stellte es sich als Problem heraus, alle Audioquellen gleichzeitig aufzunehmen. Kam der Ton hintereinander von den verschiedenen Quellen, kein Problem. Gleichzeitig. Ging nicht. Es ging nicht in Audacity, es ging nicht in Ardour. Seltsamerweise funktionierte es in einem winzig kleinem Tool namens Audio-Recorder, wo ich bei Soundquellen benutzerdefiniert anharken kann, die USB-Quellen auswähle und alle verbundenen Quellen dann in einem MP3-File schreiben lassen.

Bei der Bearbeitung stieß ich schnell an die Grenzen. Ardour war das bevorzugte Programm. An sich ging auch alles. Bis auf ein winziges Problem. Ich hatte keinen Ton. Ich hätte meine Ausgabe, wie ein Tauber zusammenstellen und schieben können, dabei hätte sich auch die Lautstärke angepasst, sodass die verschiedenen Audios einen einheitlichen Lautstärkepegel haben. Nur am Ende des Tages ist eine Audiobearbeitung ohne zu Hören was man tut, wie ein Bild zu malen ohne zu sehen.

Starte ich Ardour als Root, ging das Mithören. Dafür stürzte das Programm sporadisch ab und das so, dass man es nicht nachstellen konnte, sodass die Fehlerquellensuche fast unmöglich wurde.

Am Ende des Tages versuchte ich einige andere Programme zu installieren, was in der Regel an Inkompatibilitäten der Hardware scheiterte. Sehr wahrscheinlich fällt auch mein Problem mit Ardour in diesen Bereich.

Mit einem geänderten Workflow und Audacity konnte ich dann die Arbeit beenden, bis ich aber einen neuen funktionierenden Arbeitsablauf hatte, verging mehr als ein Tag.

Ich erweiterte die Arbeit in Sachen Videobearbeitung. Ich wollte die Podcastfolgen, die ich erstelle, zusätzlich nach Youtube liefern. Statisches Bild, bei dem sich der Ton abspielt. Eigentlich nichts Schweres. Wer auf ähnliche Ideen kommt: Lasst es!

Sechs Programme hatte ich installiert und wieder deinstalliert. Eines der Programme, wo ging, was ich wollte wie ich es wollte, fing zwar an zu Kodieren, aber bei einer Frequenz von 6 Frames die Sekunde, bei 25 Frames die Sekunde und 1 Stunde 35 Sekunden Video, da konnte man sich ausmalen das, wenn ich unterwegs bin eher der Akku leer ist, als das Youtube-Video fertig. Mal davon abgesehen, dass das Laptop 4 bis 6 Stunden durchgehend laufen müsste. Die meisten anderen Programme starteten gar nicht erst, meist in Bezug, mit Fehlern, mit Bezug auf die Hardware.

Und hier will ich zum größten Punkt bei diesem Projekt kommen:

Selbst zu Zeiten, wo die Chromebooks aber auch mein Stream 11 noch aktuell waren, war das, was in den Geräten gebaut war, eher exotisch. Bei Neupreisen unterhalb der 250 €-Grenze, müssen die Preise ja irgendwo herkommen. Ohne Einsparungen wären solche Systeme auch nicht möglich. Hier sollte man aber auch realistisch bleiben, aus einer Dampflok kann man nur schwer einen ICE machen. Hierin begründet sich aber auch, warum einige Distributionen gar nicht erst mit diesem Laptop gestartet sind, sondern in eine Kernelpanik liefen.

Man sollte sich klar sein, was man konkret will und ob das mit den Restriktionen, die die Grenzen der nicht so leistungsstarken Hardware sinnvoll erreichbar ist.

Die Kernpunkte, die ich erreichen wollte habe ich erreicht. Damit steht Audiosessions unterwegs und dem Berichte schreiben on Tour nichts mehr im Wege.

Bild: Hewlet Packard, Stream 11 Netbook / Beitragsbildlayout: Norbert Beck & canva Pro


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Norbert Beck

Er führt einen Blog übers Abnehmen und Sport mit Übergewicht, sowie gute gesunde Ernährung, er betreibt eine regionale Seite zur Region zwischen Werra und Meißner, er hat ein Online-Magazin zum Thema Autogrammsammeln. Computeraffinität, wurde unserem Norbert schon früh in die Wiege gelegt. Vor einigem Jahren hat er seine Leidenschaft dann zum Beruf gemacht und wechselte nach über 20 Jahren in einem kaufmännischen Beruf in die IT-Branche und arbeitet dort im Kundensupport, Formularwesen und Mädchen für Alles. Seinem Interessen bleibt er aber in seiner Freizeit treu. Mikrocomputer, Automatisierungen, Blogging und vieles mehr was damit zu tun hat.

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