Mit dem Gründungsjahr 1998 gehört werraland.net im Internet quasi zum alten Eisen. Angefangen hat alles unter dem Namen eschwege.com – damals sogar noch mit offizieller Duldung der Stadt. Schnell war aber klar: Nur Eschwege ist zu wenig. Das Revier wurde erweitert, von Treffurt über Bad Sooden-Allendorf bis Witzenhausen. Weil der alte Name da nicht mehr passte, wurde daraus werraland.net.
Das Herzstück der Seite? Bild- und Videoberichte von regionalen Festen und Events wie dem Werraman. Als die klassischen Fotografen ausstarben, wurden wir zur Anlaufstelle für Fotoabzüge.
Klingt nach einem super Business? War es nicht.
Ruhm, Ehre und ein paar Cent-Beträge
Wirtschaftlich war das Ganze ein einziges Verlustgeschäft. Der Fotodienstleister im Hintergrund sackte die Kohle ein, für uns blieben Cent-Beträge. Die laufenden Kosten für Server, Plugins und Technik wurden damit nie gedeckt.
Und YouTube? War auch keine Hilfe. Der Kanal stand kurz vor der Monetarisierung, als YouTube die Richtlinien änderte und die Hürden für kleine Regionalportale unerreichbar hoch schraubte.
Dazu kam ein völlig unerwarteter Endgegner: Die lokalen Spielmannszüge.
Nicht, dass die Musiker genervt hätten – aber sie spielten mit Vorliebe aktuelle Pop-Hits nach. Folge: Die YouTube-Algorithmen erkannten die Urheberrechte, sperrten die Monetarisierung für die Videos und der ganze Aufwand war für die Katz.
Der „Spaß“ hinter der Kamera
Wie so ein Tag beim Eschweger Johannisfest aussah? Während alle anderen feierten, lief im Hintergrund die Knochenarbeit:
- Vorlauf: 1 bis 2 Stunden vor Beginn in der prallen Sonne stehen, um einen guten Platz zu sichern.
- Der Act: Aufbauen, filmen, schwitzen, abbauen.
- Die Spätschicht: Zu Hause hunderte Bilder sichten, zuschneiden, störende Elemente wegretuschieren. Parallel dazu der Videoschnitt inklusive Rendering für zwei verschiedene Plattformen.
- Das Ergebnis: Um 20 Uhr waren die Videos online, um 23 Uhr die Fotos. Feierabend? Fehlanzeige.
Zwischen 2013 und 2014 kam das System endgültig an seine Grenzen. Vollzeitjob, die intensive Pflege der eigenen Mutter und nebenbei die Berichterstattung von Wanfried bis zum Karneval in Treffurt – das war schlicht nicht mehr machbar.
Zudem sank die Hemmschwelle des Publikums: Trotz Absperrung drängten sich permanent Leute ins Bild. Die Nachbearbeitung bestand irgendwann mehr aus dem Herausschneiden von fremden Armen und Beinen als aus kreativer Arbeit. 2018 wurde der Foto- und Videoservice dann komplett eingestellt.
Die Wiederauferstehung: Bissiger, frischer, älter.
Nach einer langen Pause, dem schmerzlichen Verlust der Mutter und viel Funkstille im Netz, läuft seit der Saison 2025/2026 die Reanimation. Allerdings mit einem völlig neuen Ansatz: Weniger Stress, mehr Satire.
Heute gibt es auf werraland.net eine gesunde Mischung aus regionalem Lokalkolorit, historischen Erzählungen, traditionellen Heimatrezepten und einer kräftigen Prise Sarkasmus. Unterstützt werde ich dabei von Karli Katur, einer virtuellen Redaktionsfigur mit KI-Support, die das regionale Geschehen mit spitzer Feder kommentiert und die passenden Karikaturen liefert.
Gleichzeitig wird im Archiv gewühlt: Die alten Videos und Fotoabzüge wandern nach und nach wieder online.
Bis 2028 sind es nur noch zwei Jahre. Dann feiert werraland.net sein 30-jähriges Bestehen und bleibt damit offiziell das dienstälteste Portal der Region. Wir sind also noch da – nur heute mit deutlich besserer Laune und weniger Stress.

