Wenn alte Mauern erzählen könnten

Ich stehe in der Totenkirche bei Abterode, der ehemaligen Pfarrkirche des Dorfes. Ein Ort, bei dem man sich fast automatisch fragt, was diese Mauern wohl alles erzählen könnten.

Aber selbst wenn sie reden könnten: Würden wir dann wirklich die Wahrheit hören?

Eine Geschichte verändert sich. Je nachdem, wer sie erzählt. Eine alte Frau erinnert sich vielleicht anders als ein Kind. Ein Kaufmann setzt andere Schwerpunkte als ein Handwerker. Und wenn dieselbe Geschichte dann noch über Jahrhunderte weitergetragen wird, wird es erst recht schwierig mit der Frage, was davon wirklich passiert ist.


Genau da kommt Severin Markwart ins Spiel.

Er erzählt Ereignisse, die viele hundert Jahre zurückliegen. Nur ist selbst er sich manchmal nicht ganz sicher, ob seine Erinnerungen tatsächlich stimmen. Vielleicht spielen sie ihm einen Streich. Vielleicht möchte er sich an manches aber auch einfach nicht so genau erinnern.

Und genau deshalb ist mein „Tagebuch eines Grenzschreibers“ keine historische Abhandlung. Es erzählt Geschichten aus der Perspektive eines Mannes, bei dem Erinnerung, Überlieferung und Wahrheit nicht immer sauber voneinander zu trennen sind.