Manchmal nimmt man im digitalen Zeitalter schlicht den breitesten Highway, ohne vorher auf die Beschilderung zu achten. Als die ersten handfesten Formatierungen für „Das Tagebuch eines Grenzschreibers“ Gestalt annahmen, war die Marschroute im Kopf eigentlich schon beschlossene Sache: Das Projekt wandert zu Lulu, der traditionsreichen US-Plattform mit dem großen Namen und der schicken Benutzeroberfläche. Die Anmeldung war erledigt, das Autoren-Dashboard eingerichtet, und man fühlte sich im Geiste bereits wie ein global agierender Publisher, der seine Werke lässig über transatlantische Serverstrukturen in die Welt pumpt. Bis die nackte Realität des deutschen Buchmarktes leise, aber bestimmt an die Tür klopfte und das amerikanische Traumschloss inside-out drehte.
Es stellte sich nämlich relativ zügig heraus, dass gut gemeint im internationalen Vertrieb oft das exakte Gegenteil von gut gemacht ist. Der geplante Schwenk zurück in den heimischen Hafen zu Tolino Media war am Ende keine emotionale Krise, sondern das nüchterne Ergebnis einer klassischen Kosten-Nutzen-Analyse.
Das Phänomen der unsichtbaren Bücher
Das erste große Erwachen betrifft die Sichtbarkeit im realen Leben. Wer ein Buch schreibt, das von regionalen Identitäten, historischen Satiren und lokalen Mythen lebt, möchte im Idealfall, dass die Menschen genau dort Zugriff darauf haben, wo diese Geschichten spielen. Bei einer US-Plattform wie Lulu lernt man jedoch schnell, dass das gedruckte Werk für den traditionellen deutschen Buchhandel schlichtweg nicht existiert.
Der Grund dafür hört auf die Abkürzung VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher). Was in diesem zentralen Katalog nicht gelistet ist, taucht im Kassensystem der Buchhandlung um die Ecke gar nicht erst auf. Tolino Media spendiert dem Buch bei der Veröffentlichung eine kostenlose deutsche ISBN und wirft den Titel automatisch in genau dieses Verzeichnis sowie in die großen Barsortimente.
Bei Lulu schaut man dagegen standardmäßig in die Röhre – es sei denn, man kauft sich als Autor für rund 100 Euro eine eigene deutsche ISBN bei der MVB-Agentur und übernimmt die jährlichen Listungsgebühren sowie die manuelle Datenpflege komplett selbst. Ohne diesen finanziellen und bürokratischen Kraftakt bleibt das Buch im stationären Handel unsichtbar. Da verfliegt die transatlantische Romantik doch recht zügig, wenn die eigene Verwandtschaft im Dorfbuchladen vergeblich nach dem Werk fragt.
Post vom amerikanischen Finanzamt
Der eigentliche Endgegner im US-Exil ist jedoch nicht die Logistik, sondern das amerikanische Steuerrecht. Wer die kostenlose ISBN von Lulu nutzt, mutiert rechtlich zum Empfänger amerikanischer Lizenzgebühren (Royalties). Das ruft sofort die US-Steuerbehörde IRS auf den Plan, die rein prophylaktisch erst einmal 30 Prozent Quellensteuer auf alle Verkäufe einbehält.
Um diesen automatischen Vermögensabzug zu verhindern, darf man sich als deutscher Autor mit dem charmanten Formular-Dschungel namens W-8BEN auseinandersetzen. Man deklariert digital Doppelbesteuerungsabkommen, tippt kryptische Steuer-IDs ein und hofft inständig, kein falsches Häkchen zu setzen, das den transatlantischen Papiertiger wütend macht.
Bei Tolino Media fällt dieser komplette Verwaltungs-Irrsinn ersatzlos weg. Es gilt das heimische Steuerrecht, die Abrechnungen sind transparent, und man muss keinem US-Amt beweisen, dass man seine Steuern ganz regulär in Deutschland abführt.
Der Heimathafen für den Grenzschreiber
Der Wechsel zu Tolino Media hat die geplante Veröffentlichung nicht nur finanziell entspannt, sondern auch strategisch auf feste Füße gestellt. Man behält die uneingeschränkten Rechte an seinem Werk, bekommt die deutsche ISBN geschenkt und genießt vom ersten Tag an die volle Reichweite der gesamten Tolino-Allianz – von Thalia über Hugendubel bis Weltbild – während Amazon ohnehin automatisch mitbeliefert wird.
Für ein Buch, das sich thematisch mit Grenzen und historischen Verwaltungsschritten befasst, hat es zudem eine fast schon tiefere Ironie, dass der Autor nun die bürokratischen Hürden des US-Vertriebs umschifft hat. Manchmal muss man eben erst virtuell über den großen Teich fliegen, um zu merken, dass die beste Infrastruktur für das eigene Buchprojekt erstaunlich nah liegt.
